Wie Familienrolle und der Selbstwert zusammenhängen

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Wie Familienrolle und Selbstwert zusammenhängen 

Zwischen dem Selbstwertgefühl und der Familienrolle besteht ein enger Zusammenhang. Je nachdem, welche Rolle man in seiner Familie innehatte, hatte das massive Auswirkungen darauf, für wie wertvoll man sich bis heute (größtenteils unbewusst) hält.

Wie die Familienrolle und der Selbstwert zusammenhängen und warum es sich lohnt, an seinem Selbstwertgefühl zu arbeiten, erfahren Sie im heutigen Beitrag.

SELBSTWERT UND SELBSTWERTGEFÜHL

Da im allgemeinen Sprachgebrauch die beiden Begriffe Selbstwert und Selbstwertgefühl synonym gebraucht werden, möchte ich kurz unterstreichen, dass das Selbstwertgefühl das subjektive Gefühl dessen ist, was man wert zu sein glaubt.

Korrekterweise müsste man daher vom Selbstwertgefühl sprechen, denn der Wert eines jeden Menschen ist gleich: Jeder Mensch ist gleich viel wert – keiner weniger oder mehr als der andere. 

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WIE DIE FAMILIENROLLE DEN SUBJEKTIVEN SELBSTWERT BEEINFLUSST

Familie als solche, aber auch die darin eingenommene bzw. zugewiesene Rolle innerhalb einer Familie, hat einen großen Einfluss darauf, mit welchem Selbstwertgefühl ein Kind heranwächst.

Dabei muss es keineswegs eine dysfunktionale Rolle sein – es kann sich dabei auch um bestimmte elterliche Erwartungen an das Kind handeln, die seinen gefühlten Selbstwert beeinflussen.

So werden beispielsweise bereits an Jungen und Mädchen unterschiedliche Erwartungen herangetragen: Mädchen sollen „brav sein“, werden öfter in den Haushalt eingebunden und werden häufig in die Rolle der Kümmernden gedrängt, insbesondere dann, wenn Geschwister vorhanden sind.

Jungen hingegen sollen „tapfer sein“, ihre Emotionen verbergen und/oder mit sich selbst ausmachen sowie unabhängig(er) sein – oder als große Brüder besonders auf ihre kleinere Schwester „aufpassen“.

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FOLGEN EINES GERINGEN SELBSTWERTGEFÜHLS

Da das Kind sich angepasst und unauffällig verhält, in der Regel das tut, was ihm aufgetragen wird und sich stets darum bemüht, niemandem zur Last zu fallen, entsteht bei den Eltern der Eindruck, ein „pflegeleichtes“ oder „wohlgeratenes“ Kind zu haben.

Nur allzu oft resultiert das brave bzw. folgsame Verhalten jedoch daraus, dass das Kind von seinen Bezugspersonen in die Rolle des gehorsamen, vernünftigen Kindes hineingedrängt wurde.

Doch nicht nur die angepassten Kinder sind davon betroffen. Es betrifft auch jene Kinder, die auf den ersten Blick das Familiengefüge zu sprengen drohen, wiederholt Konflikte heraufbeschwören oder Themen ansprechen, die vermeintlich zum Wohle aller unausgesprochen bleiben sollten.

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WAS MAN GEGEN EINEN GERINGEN SELBSTWERT TUN KANN

Wenn Sie unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden, haben Sie sicherlich schon vieles unternommen, um Ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Gerade in der Selbsthilfe-Literatur finden sich zahlreiche Anleitungen und Übungen, die das Selbstwertgefühl steigern sollen.

Leider ist es so, dass die Arbeit am eigenen Selbstwertgefühl oft viel Zeit erfordert. Gerade wenn einem Kind sehr früh vermittelt wurde, dass es weniger wert sei als die Eltern, Geschwister und/oder Cousinen bzw. Cousins, kann es sich um eine Lebensaufgabe handeln.

Das Selbstwertgefühl entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern bildet sich in Beziehung mit anderen Menschen heraus. 

Nicht nur die Erfahrung von eigener Kompetenz, sondern auch die Wertschätzung der eigenen Person durch sich selbst, aber eben auch durch unsere Mitmenschen tragen erheblich dazu bei, sich seines Wertes bewusst(er) zu werden.

Je stärker unser Selbstwertgefühl an unsere Fähigkeiten gekoppelt ist, desto verunsicherter werden wir häufig, wenn es um Zwischenmenschliches geht.

Fragen wie:

  • „Bin ich überhaupt liebenswert?“
  • „Bin ich in Ordnung, so wie ich bin?“
  • „Bin ich interessant (genug)?“
  • „Darf ich Wünsche haben?“
  • „Darf ich überhaupt existieren?“

tauchen immer wieder insbesondere dann auf, wenn wir auf uns selbst zurückgeworfen werden. Wenn unklar ist, was andere von uns halten – oder auch, wenn wir uns in einer ambivalenten oder unsicheren Beziehung zu uns selbst befinden.

Niemand ist eine Insel, heißt es. Das bezieht sich auch auf das Selbstwertgefühl, dass von Beginn an in und durch die Beziehung zu anderen Menschen (in der Regel unseren Eltern) entstanden ist – und deshalb auch in Beziehung „geheilt“ bzw. „gestärkt“ werden sollte.

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SIND DIE ELTERN SCHULD?

Schuld ist in diesem Zusammenhang ein schwieriger Begriff. Treffender wäre: Verantwortlich, denn die Verantwortung für das Wohlergehen eines Kindes liegt bei den Eltern bzw. Bezugspersonen.

Doch auch wenn die Eltern in der Regel zugleich auch die engsten Bezugspersonen darstellen, bedeutet das nicht, dass ihr Einfluss auf den subjektiven Selbstwert allumfassend und unumkehrbar ist. 

Tatsächlich können bereits einzelne Personen, die wohlmeinend, wertschätzend und unterstützend waren, einen großen und entscheidenden Unterschied machen. Das können Lehrer:innen, Verwandte und/oder Freund:innen gewesen sein.

Vielleicht erinnern Sie sich an so jemanden in Ihrem Leben, dessen oder deren positiver Einfluss Sie nachhaltig geprägt hat?

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ARBEIT AM SELBSTWERTGEFÜHL – MIT UNTERSTÜTZUNG

Gerade, wenn es in Ihrer Vergangenheit niemanden gab, der Sie in der einen oder anderen Weise unterstützt hat, Sie wertschätzend behandelte und Ihnen vermittelte, dass Sie liebenswert seien, kann es notwendig sein, sich professionelle Unterstützung und Begleitung zu suchen. 

Da das Selbstwertgefühl sich auf und in jedem Lebensbereich auswirkt, ist es umso wichtiger, es aufzubauen und zu fördern  – es wirkt sich wie der Steinwurf in einen See aus, der Wellen schlägt:

  • Auf Ihre Beziehung zu sich selbst
  • Auf Ihre Beziehung zu anderen
  • Auf Ihren Beruf bzw. Ihr berufliches Standing
  • Die anderen Bereiche Ihres Lebens, in denen Sie sich bislang schwertaten

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Meine Frage an Sie:

Wie war Ihr Selbstwertgefühl in Ihrer frühen Kindheit ausgeprägt? Wie in Ihrer Jugend?Fühlten Sie sich als Kind gesehen? Durften Sie Bedürfnisse haben?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie sind wertvoll. Ohne Wenn und Aber.

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© 2021 Romy Fischer

Wie Verbindlichkeit Vertrauen schafft

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash
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Wie Verbindlichkeit Vertrauen schafft

… und Unverbindlichkeit es auf lange Sicht zerstört. 

Wir leben in einem sehr schnelllebigen Zeitalter. Tag für Tag prasseln Millionen und Abermillionen von Informationen auf uns ein: Beruflich und privat. Wir können aus einem nahezu unbegrenzten Fundus an Möglichkeiten, Gelegenheiten und Veranstaltungen schöpfen, die weder räumlich noch zeitlich beschränkt sind – das Internet macht es möglich.

Wo unsere Aufmerksamkeit früher überwiegend nur mit Fernsehen und Radio konkurrieren musste, begleiten uns Smartphones überall hin: Zum Essen bei den Eltern, ins Meeting mit Kolleg*innen, zum ersten Date und aufs stille Örtchen. Texte, Bilder, Videos stehen uns jederzeit zur Verfügung, wenn nicht gerade das Wlan streikt. Wann immer wir uns langweilen (könnten), greifen wir zu unserem unverzichtbaren Begleiter. Mit einem Wisch ist alles weg – die Langeweile, das Gefühl verschwendeter Zeit beim Warten, der Berg an ungeliebten Aufgaben.

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AUF ALLEN HOCHZEITEN GLEICHZEITIG TANZEN

Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass derzeit nur eingeschränkt auf Hochzeiten getanzt werden kann – tatsächlich wird nur auf Scheidungen seltener getanzt – sollten es im Idealfall gleich alle sein, zumindest in der Theorie.

Denn wenn wir an besagtem Freitag- oder Samstagabend doch feststellen sollten, dass die Müdigkeit überwiegt (oder die Streaming-Dienste die langersehnte neue Staffel streamen), sagen wir gerne auch noch kurz vor knapp ab. Gerne mit einer Ausrede wie körperlicher Unpässlichkeit, krankem Haustier (sofern vorhanden) oder wahlweise einem Mix aus beidem. Komme ich heute nicht, komme ich morgen. Vielleicht.

Sich alle Optionen offen zu halten, ist kein Trend mehr, sondern mutiert geradezu zum Lebensmotto. Vielbeschäftigte Menschen priorisieren nun einmal. Oder zweimal. Eventuell auch ständig – und damit letztendlich gar nicht. Wir verspielen dabei vor allen Dingen eins: Verlässlichkeit und Vertrauen. Und verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen ist kein leichtes Unterfangen, zuweilen auch unmöglich.

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WIEDERHOLTES VERSETZEN VERSPIELT LANGFRISTIG VERTRAUEN

Was sich wie eine Formel aus dem Schulunterricht anhört, trifft einen wahren Kern: Wer Menschen aus seinem Umfeld immer wieder kurzfristig versetzt, hängen oder im Regen stehen lässt, verspielt auf lange Sicht deren Vertrauen.

Wenn Betriebe für kurzfristiges Versetzen Ausfallhonorare oder -gebühren erheben, passiert das im sozialen Umfeld wesentlich subtiler. Das Vertrauenskonto wird schleichend geleert, bis zu dem Punkt, an dem es nichts mehr abzuheben gibt. Die Folge: Die Freundschaft oder Bekanntschaft kühlt massiv ab – oder endet im schlimmsten Fall.

Mehrere Eisen im Feuer zu haben bedeutet nicht, das eine auf Kosten des anderen zu schmieden.

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VERBINDLICHKEIT SCHAFFT VERTRAUEN

Wem schenken wir unser Vertrauen in der Regel? Den Menschen, auf die wir uns verlassen können. Den Menschen, auf die wir zählen können und deren Wort gilt, bei Regen und bei Sonnenschein (oder anderen Dingen jenseits unserer Kontrolle). Die uns nicht mit Ausreden abspeisen, sondern da sind, wenn wir sie brauchen. Und das gilt in der Regel auch umgekehrt.

Wir vertrauen auf lange Sicht den Menschen, die sich als vertrauenswürdig und verlässlich erweisen. Deshalb ist Verbindlichkeit insbesondere in der heutigen Zeit zu etwas umso Wichtigerem und Seltenerem zugleich geworden. 

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Mein Denkimpuls an Sie:

Überlegen Sie doch einmal, in welchen Situationen Sie dazu neigen, sich alle Optionen offen zu halten und Ihre Mitmenschen in der Schwebe zu halten. Was hindert Sie daran, sich für die eine Option – und gegen eine andere – zu entscheiden? Was glauben Sie zu verlieren?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Verbindlichkeit bedeutet in der Regel nicht, sich lebenslang an eine Entscheidung zu ketten.
  • Ein Vielleicht kann vieles bedeuten: Der fehlende Mut zum Nein, aber auch zum Ja.
  • Verbindlichkeit ist keine Einbahnstraße.
  • Verbindlichkeit ist ein wichtiger Grundstein für Vertrauen.

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© 2022 Romy Fischer

Was tun, wenn die Gedanken kreisen?

Photo by Caleb George on Unsplash
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Was tun, wenn die Gedanken kreisen?

Nehmen Sie sich selten Zeit für sich? Kommen alle anderen vor Ihnen, bevor Sie an sich denken? Fühlen Sie sich häufig erschöpft, leer und ausgebrannt? Sind Sie es leid, dass Ihr stummer Schrei nach Hilfe ungehört und unbeantwortet bleibt? Ist Ihr größter Luxus eine einzige Minute am Tag für sich selbst? Und ausgerechnet dann stehen Ihre Gedanken nicht still, sondern laufen zur Höchstform auf?

Dann möchte ich Sie im heutigen Artikel zu einer kleinen Übung einladen.

Photo by Thought Catalog on Unsplash
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GEFANGEN IM GEDANKENKAUSSELL

Mit größter Wahrscheinlichkeit sind Sie nicht zum ersten Mal auf der Suche nach einer Lösung, die Ihnen etwas Erleichterung verschafft. Einige Minuten Zeit, um aus dem Hamsterrad auszusteigen und den Kopf freizukriegen – um durchzuatmen und Ihre eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren.

Ich möchte Sie einladen, sich einen Moment Zeit zu nehmen, sich eine Tasse Ihres Lieblingsgetränks zu kochen und im Anschluss ein gemütliches (und vor allem ungestörtes) Eckchen zu suchen. Sind Sie soweit, Ihre Gedanken näher zu beleuchten? Dann lassen Sie uns beginnen.

Wenn Sie mögen, können Sie dabei gerne die Augen schließen und innehalten, um den Gedanken zu lauschen, die Ihnen durch den Kopf gehen. Handelt es sich um Gedanken, die darum kreisen, was alles noch zu erledigen ist? Sind es Gedanken, die in einer endlosen Abfolge auf Sie einzuprasseln scheinen? Oder vernehmen Sie eine Stimme, die Ihr derzeitiges Nichtstun kritisiert? Was es auch ist, es gibt kein Richtig oder Falsch.

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GEDANKEN UNTERDRÜCKEN ZU WOLLEN IST ZWECKLOS

Es ist vielleicht überraschend, aber über den Tag verteilt schießen uns eine beträchtliche Menge an Gedanken durch den Kopf. Nicht wenige davon sind unnütz, absurd und schädlich für uns. Sie zu unterdrücken zu wollen ist auf lange Sicht zwecklos.

Mit Sicherheit kennen Sie die Aufgabe, sich keinen rosa Elefanten vorzustellen – und das mit aller Kraft. Was aber geschieht? Das genaue Gegenteil: Das Bild eines rosa Elefanten steht klar vor Ihrem geistigen Auge.

Ähnlich verhält es sich mit den Gedanken, die wir zu unterdrücken versuchen: Sie drängen sich uns ungewollt immer wieder auf, statt zu verschwinden.

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GEDANKEN KOMMEN UND GEHEN …

… wie Meereswellen an einer Brandung oder einem Strand. Wie könnten Sie mit kreisenden Gedanken umgehen?

Eine von vielen Möglichkeiten ist es, sich das Bild eines Strandes vorzustellen. Ihre Gedanken stellen in diesem Bild die Wellen dar. Sie würden schließlich auch nicht versuchen, die Wellen davon abzuhalten, ans Ufer zu rollen? Sondern vielmehr einen Schritt zurücktreten, wenn Sie es vermeiden wollten, nass gespritzt zu werden oder gar mitgerissen zu werden.
Und ähnlich verhält es sich mit den Gedanken: Wenn wir nicht von ihnen überrollt werden möchten, ist es hilfreich, uns von ihnen zu distanzieren.

Wie das geht, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Photo by Kees Streefkerk on Unsplash
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ZUM AUSPROBIEREN

Bleiben wir bei dem Bild der heranrollenden Wellen. Auch jetzt dürfen Sie gerne die Augen schließen, wenn Sie mögen – oder alternativ einen Punkt fixieren. Im nächsten Moment stellen Sie sich folgendes vor:

Wie Meereswellen rollen die Gedanken auf Sie zu, brechen am Ufer und ziehen sich dann wieder zurück. Und das wiederholt sich: Wieder und wieder. Mit jeder weiteren Woge gewinnen Sie etwas mehr an innerer Distanz zu Ihren Gedanken. Statt gegen die Wellen (Gedanken) anzukämpfen, beobachten Sie Ihren Ablauf. Nichts weiter.

Wenn Sie mögen, können Sie sich ergänzend vorstellen, wie Sie durch ein Fernrohr auf die Wellen blicken, aus weiter Entfernung, die sich stetig vergrößert. Bis Sie irgendwann nur noch eine blau-weiße Oberfläche erkennen, aber nicht mehr die einzelnen Wellen. Nur ein sanftes Kräuseln auf einer riesigen Wasseroberfläche, in weiter Entfernung.

Berichten Sie mir gerne, wie Sie diese Übung erlebt haben.

Photo by Diego Mora Barrantes on Unsplash
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Mein Denkimpuls an Sie:

Fragen Sie sich selbst einmal, ob jeder Ihrer Gedanken Aufmerksamkeit verdient. Sind alle Gedanken gleich hilfreich? Oder gibt es einige, die mehr schaden als nützen, sich Ihnen aber dennoch häufig aufdrängen? Und wenn das so wäre: Sollten Sie Ihnen weiterhin Aufmerksamkeit schenken?

Wenn Sie bei diesem Thema im Allgemeinen oder dieser konkreten Übung Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer

Die Familie: Ein komplexes System

Photo by Hannah Busing on Unsplash
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Die Familie: Ein komplexes System

Schon der russische Schriftsteller Leo Tolstoi schrieb in seinem berühmten 1877/78 veröffentlichten Roman Anna Karenina:

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“

Diese Aussage stimmt in ihrer Pauschalität nur bedingt, macht aber vor allem eines deutlich: Das Leid (innerhalb) einer Familie hat viele Gesichter.

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FAMILIEN ALS KOMPLEXE SYSTEME

Familien sind komplexe Systeme, die vor allem danach bestrebt sind, sich selbst zu erhalten. Damit dieses System aufrechterhalten werden kann, werden den einzelnen Familienmitgliedern bestimmte Rollen zugewiesen.

Das geschieht jedoch in der Regel nicht in einer bewussten demokratischen Auseinandersetzung, sondern auf einer unbewussten Ebene. Diese wiederum kann oftmals nur von außen erkannt werden: Mit genügend räumlicher und emotionaler Distanz. Welche Rollen das im Einzelnen sind, hängt dabei zunächst einmal von den Bezugspersonen ab.

Meist sind das die Eltern, die ihrerseits wiederum bestimmte Rollen erfüllen. Diese Rollen sind oft stereotyp und dichotom unterteilt: Zum Beispiel in „typisch männlich“ und „typisch weiblich“, der Mann als „Ernährer“, die Frau als „Kümmererin“. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Ehen sind aufgrund von eigenen Sozialisationserfahrungen vor diesen Stereotypen nicht gefeit.

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DAS KIND ALS PROJEKTIONSFLÄCHE

Kommt dann ein Kind ins Spiel, wird das bis dato eingependelte Verhältnis auf den Kopf gestellt.

Noch bevor es das Licht der Welt erblickt, wird eine ganze Reihe von Vorstellungen auf das Kind projiziert. Das können Wünsche und Sehnsüchte sein, aber auch das genaue Gegenteil. Unerwünschte Eigenschaften, Charakterzüge, die die werdenden Eltern an sich oder ihrem Partner massiv ablehnen, körperliche oder psychische Schwächen, die sie in ihrem Nachwuchs ausmerzen wollen.

Ebenso kann es aber auch sein, dass das Kind in eine ungünstige Lebenssituation hineingeboren worden ist, weil die Eltern (zu) jung waren, berufliche Schwierigkeiten hatten oder mit ihrem eigenen Leben schlichtweg überfordert waren. Auch und gerade Partnerschafts- und/oder Ehekonflikte werden dann auf dem Rücken des Kindes ausgetragen. Manche Eltern geben ihrem Kind sogar die Schuld für ihr vermeintlich verfehltes Leben.

Lange, bevor den Kindern klar wird, was da eigentlich geschieht, finden sie sich dann in der Rolle des schwarzen Schafes wieder. Je nach Konstellation muss es wahlweise als Blitzableiter für die Eltern, Sündenbock der Familie oder gescheiterter Hoffnungsträger herhalten. In jedem Fall kann das Kind nur verlieren: Entweder seine Bezugspersonen – oder sich selbst.

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GEFANGEN IN EINER ROLLE

Das Kind kann sich noch so sehr anstrengen, aus dieser Rolle auszubrechen, es wird ihm bzw. ihr nicht gelingen – jedenfalls nicht, ohne dass Familiensystem ins Chaos zu stürzen. Denn das bedeutet für das System den absoluten Super-Gau. Und wie jedes System kämpft auch das Familiensystem erbittert um seinen Erhalt – oftmals mit schwierigen Folgen für alle Beteiligten.

Die daraus resultierenden Folgen sind vielfältig. Sie spielen sich zum einen auf der Beziehungsebene und zum anderen auf der physisch-psychischen Ebene ab. Das sind beispielsweise:

    • Konfliktreiche Beziehungen
    • Symbiose- oder Fluchttendenzen in/aus Beziehungen
    • Gänzliche Vermeidung von Beziehungen
    • Zwanghaftes Ringen um die Anerkennung in der eigenen Familie
    • Reaktanz und/oder Rebellion als Antwort auf Annäherung
    • Völlige körperliche und/oder psychische Erschöpfung
    • Beziehungsabbrüche

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DEN KAMPF BEENDEN

Selbst Menschen, denen es gelingt, diese destruktiven Muster zu erkennen und sich ihrer familiären Rolle bewusst zu werden, haben große Schwierigkeiten damit, sich aus deren Einfluss zu befreien. Erst der gemeinsame empathisch-analytische Blick von außen schafft die nötige Distanz zum Geschehen und zu den Beteiligten des Geschehens.

So lassen sich die bekannten Denk- und Verhaltensmuster ablegen und verinnerlichte Glaubenssätze auflösen, um wechselseitig befriedigende Beziehungen sowie ein zufriedenstellendes und erfüllendes Leben zu führen – im Innen wie im Außen.

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Meine Frage an Sie:

Welche Rolle war Ihnen als Kind vertraut? Welche Verhaltensweisen durften Sie zeigen, welche nicht? Welche Gefühle wurden tabuisiert?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie sind mehr als die Rolle, die Ihnen in der Vergangenheit zugeteilt wurde.
  • Sie entscheiden heute über Ihre Grenzen.
  • Sie sind wertvoll – einfach, weil es Sie gibt.
  • Sie dürfen Ihren eigenen Weg gehen.

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Weihnachten ohne Familie: Gelassener durch die Feiertage

Photo by Valentin Petkov on Unsplash
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Weihnachten ohne Familie: Gelassener durch die Feiertage kommen

Wer Weihnachten ohne die Familie verbringt, wird gerne bedauert. Sicher ist man frisch getrennt – oder die Eltern sind bereits verstorben. Dabei kann es viele gute Gründe dafür geben, weshalb man die Feiertage nicht im Kreise der Familie verbringt.

Heute geht es darum, wie es Ihnen gelingt,  gelassener durch die Feiertage zu kommen, ohne sich von vergangenen Erfahrungen zu sehr beeinflussen zu lassen.

 

Photo by lilartsy on Unsplash
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FAMILIENIDYLLE AN WEIHNACHTEN? 

An den Feiertagen konzentriert sich all das, was sich über das Jahr hinweg teils angesammelt, teils aufgetürmt hat: Die Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte werden auf die wenigen Tage im engsten Familienkreis projiziert. Treffen diese dann auf die Realität, sind Enttäuschung, Frust und Ärger geradezu vorprogrammiert. 

So gut wie niemandem gelingt es, sich gänzlich von Erwartungen an andere zu befreien. Wir alle haben Wünsche, die teilweise berechtigt und teilweise unberechtigt sind. Jedoch ist es wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es sich dabei lediglich um Wünsche handelt – unsere Mitmenschen sind nicht dazu verpflichtet, sie uns zu erfüllen. Selbst unsere eigene Familie ist das nicht. 

Das heißt keineswegs, dass Sie alle Erwartungen über Bord werfen sollten, um gar nicht erst Gefahr zu laufen, enttäuscht zu werden. Vielmehr bedeutet es, dass es an der Zeit ist zu prüfen, ob und inwieweit sich Ihre Wünsche in Wahreheit auf eine längst vergangene Zeit beziehen: Ihre Kindheit und/oder Jugend.

Photo by Elena Mozhvilo on Unsplash
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WEIHNACHTEN IM KREISE DER FAMILIE

Wenn Sie sich an vergangene Weihnachtsfeste zurückerinnern, mit welchen Gefühlen sehen Sie sich konfrontiert? Freude, Dankbarkeit, Nostalgie, Wehmut und/oder Bitterkeit?

Viele Menschen tendieren dazu, die Vergangenheit verklärter zu erinnern, als sie zum jeweiligen Zeitpunkt stattgefunden hat. Gerade in Gesprächen mit anderen Familienmitgliedern werden dieselben – oft vermeintlich „schönen“ und/oder „lustigen“ – Familiengeschichten bzw. -anekdoten geradezu gebetsmühlenartig wiederholt.

Es wird zum Ritual, vergangene Feste in der Erinnerung aufleben zu lassen, als ob man sich immer wieder aufs Neue vergewissern wollte, dass die Vergangenheit sich tatsächlich so heiter, gesellig und friedlich abgespielt hat, wie es die Erzählungen vermuten lassen.

Ganz oft war dies allerdings nicht der Fall, ganz im Gegenteil.

Photo by 🇻🇪 Jose G. Ortega Castro 🇲🇽 on Unsplash
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DYSFUNKTIONALE KOMMUNIKATION IN DER FAMILIE

Leider ist es noch immer nicht bis in alle Familien vorgedrungen, wie wichtig gesunde Kommunikation ist. So wichtig die Inhalte eines Gespräches sind, mindestens ebenso wichtig ist es, die Art und Weise zu beachten, wie diese Inhalte geäußert werden.

Dann wird über den alkoholisierten Onkel gescherzt, der im Laufe des Abends immer anhänglicher wurde, die Figur bzw. die Kleidung der Anwesenden kommentiert und/oder das Festessen mit mehrdeutigen Komplimenten versehen – häufig begleitet von einem Augenzwinkern oder einem verbalen „Du weißt doch, wie ich das meine.“

Grundsätzlich ist zunächst einmal nichts Schlechtes daran, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Problematisch wird es erst, wenn das Wiederkäuen der Vergangenheit zu schmerzhaften Gefühlen in der Gegenwart führt. Wenn eine Frau oder ein Mann wiederholt auf ihr Äußeres, die Familienplanung und/oder die berufliche Stellung angesprochen werden – oft in Kombination mit einer (ab)wertenden Haltung – dann handelt es sich hierbei nicht mehr um familiäre Frotzeleien, sondern um eine Grenzüberschreitung, die durch ihre jährliche Wiederholung vermeintlich legitimiert wird. 

Wird diese Grenzüberschreitung beim Namen benannt, verwandelt man sich in den Augen der Familie sogleich in einen bzw. eine sogenannte Nestbeschmutzerin. Denn schließlich sollte man sich doch wenigstens über die Feiertage doch zusammenreißen können – so lautet häufig das unausgesprochene Familiencredo.

Photo by Tyler Nix on Unsplash
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GRENZEN: WAHRNEHMEN, SETZEN UND KOMMUNIZIEREN

Wenn Sie sich dafür entscheiden, die Feiertage mit Ihrer Familie zu verbringen, kann es deshalb sinnvoll sein, dass Ihre eigenen Grenzen setzen und kommunizieren. Doch zuvor müssen Sie sich selbst darüber im Klaren sein, wann und in welchen Situationen eine Grenzüberschreitung für Sie beginnt. Das kann je nach Geschlecht, Alter und Lebenssituation ganz unterschiedlich aussehen.

Eine ungewollt kinderlose Frau möchte womöglich nicht auf die Familienplanung angesprochen werden – und schon gar keine Scherze über die Kinderlosigkeit hören. Jemand, dessen Vertrag erneut befristet wurde und/oder der bzw. die gerade seine Stelle verloren hat, hingegen möchte nicht auf die berufliche Situation angesprochen werden. Sie ahnen bereits, dass es viele Themenbereiche geben kann, die ein Minenfeld für alle Beteiligten darstellen können. 

Zunächst einmal geht es darum, dass Sie für sich selbst sondieren, welches Thema zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Sie ein „Tabu“-Thema darstellt. Das Bewusstsein dafür hilft Ihnen dabei, klar(er) zu kommunizieren, worüber Sie nicht mit Ihrer Familie sprechen möchten. Je klarer Sie in Ihrer eigenen Haltung sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihre Familie Ihren Wunsch respektiert.

Photo by Isaiah Rustad on Unsplash
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FORMULIERUNGSHILFEN: GRENZEN KOMMUNIZIEREN

Wenn Sie sich entschieden haben, die Feiertage mit Ihrer Familie zu verbringen, können Sie mithilfe der folgenden Beispielformulierungen Ihre Grenzen kommunizieren.

Themen abwehren und ein anderes Gesprächsthema vorschlagen bzw. das Thema umlenken:

  • „Liebe X, lieber Y, ich möchte nicht über Thema Z sprechen. (Danke für euer Verständnis.)“
  • „Ehrlich gesagt möchte ich darüber nicht sprechen. Möchte noch jemand von Gericht A probieren?“
  • „Ich finde nicht, dass das ein gutes Gesprächsthema ist. Wollen wir lieber über Thema B sprechen?“

Gespräch beenden und Situation verlassen:

  • „Du, wenn du weiter über Thema A sprechen möchtest, beende ich das Gespräch.“
  • „Ich sagte bereits, dass ich nicht über Thema B sprechen werde. Wenn du darauf beharrst, werde ich gehen.“
  • „Es ist schade, aber ich hatte bereits gesagt, dass ich nicht über Thema A sprechen möchte. Ich werde mich dann jetzt verabschieden.“

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WEIHNACHTEN OHNE FAMILIE: ZEIT FÜR EIGENE TRADITIONEN

Es ist an der Zeit, eigene Traditionen zu begründen. Das kann das bewusste Loslassen alter Traditionen bedeuten, weil man ihnen entweder entwachsen ist, sie ohnehin nie besonders mochte oder auch einfach nur seine eigene Vorstellung einer erholsamen Weihnachtszeit umsetzen möchte.

Das kann auch bedeuten, Weihnachten überhaupt nicht zu feiern, es alleine zu verbringen oder mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin und/oder Ihrem Freundeskreis.

Als erwachsener Mensch haben Sie die Freiheit, Ihre eigenes Leben zu gestalten – das bezieht sich auch die Dauer bzw. die Art und Weise, wie Sie den Kontakt zu Ihrer Herkunftsfamilie über die Feiertage gestalten.

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Meine Frage an Sie:

Mit welchen Gefühlen erinnern Sie sich an die Feiertage in Ihrer Kindheit und Jugend? Gab es auch Raum für Negatives? Wie wurden Konflikte gelöst?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie bestimmen, wie Sie die Feiertage verbringen möchten.
  • Sie dürfen alte Traditionen ablegen.
  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, es allen recht zu machen.
  • Sie dürfen Ihre Grenzen kommunizieren und wahren.

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Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Clowns

Photo by Marcos Ferreira on Unsplash
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Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Clowns

Ich lache, obwohl ich weinen will. Ich lache, obwohl ich innerlich zerbreche. Ich lächle, obwohl ich traurig bin. Nach außen hin wirkt alles gut: Das Kind lacht viel, reißt Witze und unterhält die ganze Familie. Doch wie es im Inneren des Kindes aussieht, zeigt es nicht. Wie sehr die Clowns in der Familie unter ihrer fröhlichen Maske leiden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Heute stelle ich Ihnen den sechsten Teil der mehrteiligen Serie „Familienrollen – Wenn die Rolle in der Familie zum Gefängnis wird“ vor, die Ihnen dabei helfen können, sich selbst, die Beziehung zu Ihren Bezugspersonen sowie Ihre Kindheit bzw. Jugend besser zu verstehen.

WER ODER WAS IST DER CLOWN IN DER FAMILIE?

Kinder in der Rolle des Familienclowns sind äußerlich Strahlenaturen. In ihrer Gegenwart scheint alles leicht und heiter zu sein, sie machen Späßchen, sind selten um einen frechen Spruch verlegen und verstehen es stets, die kippende Stimmung zu retten. 

Was sich in ihrem Inneren abspielt, behalten sie jedoch für sich. Das fröhliche Gesicht ist ihre Maske und ihr Schutzschild zugleich.

Photo by Nathan Dumlao on Unsplash
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ABLENKUNG UND UNTERHALTUNG ALS ÜBERLEBENSSTRATEGIEN

Kinder, die die Rolle des Clowns einnehmen, stehen häufig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie erhalten in der Regel positive Rückmeldungen für ihr heiteres Wesen und ihre Fähigkeit, gute Laune zu verbreiten. Sie verfügen oftmals über feine Antennen für den drohenden Wechsel von Stimmungen und reagieren darauf mit ihren erlernten Überlebensstrategien: Ablenken und unterhalten.

Sobald „etwas in der Luft liegt“, spulen sie eine ganze Bandbreite an Verhaltensweisen ab, die alle mehr oder minder denselben Zweck dienen: Spannungen zu reduzieren, Konflikte zu beenden und/oder negative Gefühle zu überspielen bzw. andere dazu zu bewegen, sich besser zu fühlen.

Dieses Verhalten wird häufig zu einer zweiten Persona, und greift über den familiären Kontext hinaus – in die Schule, den Beruf und den Kontakt zu Gleichaltrigen. Entscheidend ist hierbei jedoch, dass die innere Verfassung nicht mit der nach außen hin gezeigten übereinstimmt, sondern in der Regel eine tiefe Spaltung besteht. 

Traurigkeit, Angst, Scham, Wut/Zorn und/oder ähnliche Gefühle bleiben hinter der Fassade verborgen.

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DAS VERZWEIFELTE KIND HINTER DER MASKE

Kinder in der Rolle des Clowns verlieren oftmals den Bezug zu ihren eigenen Gefühlen, insbesondere dann, wenn es sich um negative handelt. Gerade in der Gesellschaft anderer Menschen sind sie darauf konzentriert, ihre heitere Maskerade aufrechtzuerhalten und laufen dabei häufig, über die Strenge zu schlagen und ihre Mitmenschen befremdet zurückzulassen. 

Unter Umständen zeigt sich dieses Verhalten auch in Kontexten, in denen Heiterkeit und Späße völlig unangebracht sind – etwa in beruflichen Situationen, Trauerfeiern und/oder als Reaktion auf einen Schicksalsschlag. Den Schmerz „weglachen“ zu wollen ist dabei zunächst keineswegs abwegig. Problematisch wird es erst, wenn jede Form von Verletzung oder schmerzlicher Erfahrung – sei es die eigene oder die anderer – von vorneherein mit Humor im Keim erstickt werden soll. 

Die Diskrepanz – oder auch Aufspaltung – zwischen dem, was tatsächlich empfunden wird und dem, was nach außen hin gezeigt wird, kann langfristig zu psychosomatischen Beschwerden führen. Das heißt, es treten Symptome auf, die sich rein organisch nicht erklären lassen.

Ihre eigene Verzweiflung, Traurigkeit und/oder das Gefühl, von niemanden wirklich verstanden zu werden, fühlt sich so beängstigend und überwältigend an, dass das  Erleben dieser Gefühle um jeden Preis vermieden muss.

Gleichzeitig heischen sie nach Aufmerksamkeit, genießen es zuweilen, im Mittelpunkt zu stehen und die Lacher auf ihrer Seite zu wissen. Aber erst durch die Reduktion auf die Rolle des Clowns unter Aufgabe aller anderen potenziellen Rollen, unterschiedlicher Gefühle und Vielfalt an potenziellen Reaktionen entsteht das Risiko, psychische Erkrankungen zu entwickeln, wie etwa Depressionen.

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LACHEN UND HUMOR ALS MEDIZIN: DIE DOSIS MACHT DAS GIFT

So fatal der Umgang mit negativen Erlebnissen und/oder negativen aufkommenden Gefühlen sein mag, verfügen die Clowns in der Familie über eine besondere Fähigkeit, die anderen Menschen oftmals fehlt: Sie können ihren Humor und ihr Lachen dazu verwenden, sich selbst wieder aufzurichten, wenn sie am Boden angelangt sind. Oder auch dazu, selbst schwierigen Situationen etwas Positives abzugewinnen – und sei es auch nur die Gelegenheit, zu einem späteren Zeitpunkt daraus eine gute Geschichte zu machen.

Es ist jedoch wichtig zu unterstreichen, dass der Humor langfristig keinen zynischen Zug annimmt, denn Zynismus und Verbitterung gehen häufig Hand in Hand miteinander und vergiften allmählich das eigene Leben. Auch die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, ist eine zweischneidige – auf der einen Seite bedeutet es, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und in der Lage zu sein, kleineren Missgeschicken durchaus etwas Amüsantes abgewinnen zu können.

Auf der anderen Seite bedeutet es genau das: Sich selbst nicht ernst (genug) zu nehmen, über sich zu lachen, bevor es andere tun. Denn wenn man selbst zuerst lacht, schmerzt das Lachen der anderen vermeintlich weniger.

Es ist wie so oft die Dosis, die das Gift macht – aber auch die Intention, die dahintersteckt: Tatsächlich empfundenes Amüsement – oder eben doch reiner Selbstschutz vor den anderen.

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash
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WIE ERKENNE ICH, OB ICH MICH HINTER MEINEM HUMOR VERSTECKE?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Ihnen dabei helfen zu erkennen, ob Sie Ihren Humor dazu nutzen, sich von Ihren eigenen Gefühlen abzuschirmen und/oder andere Menschen nicht hinter Ihre heitere Fassade blicken zu lassen.

    • Jemand macht Ihnen gegenüber eine spitze und/oder spöttische Bemerkung, die Sie mit einem Scherz kontern. Innerlich fühlen Sie sich getroffen, behalten dies jedoch für sich. Schließlich möchten Sie nicht für eine Spaßbremse gehalten werden.
    • Sie vermeiden es, über ernste(re) Themen zu sprechen und lenken das Gespräch in der Regel in eine andere – meist heitere – Richtung.
    • Sie gelten in Ihrem Umfeld als der- bzw. diejenige, der/die immer lacht, etwas Lustiges zu erzählen hat und/oder niemals schlechte Laune.
    • Sie gehen Menschen mit einer negativen Ausstrahlung konsequent aus dem Weg und halten davon Abstand, andere nach ihren Sorgen und Ängsten zu fragen.
    • Sie sind darum bemüht, jederzeit und an jedem Ort für eine gute Stimmung zu sorgen. Ihre Antennen für Stimmungsänderungen sind außerordentlich fein ausgeprägt, weshalb Sie bereits früh gegensteuern, wenn Sie bemerken, dass die Stimmung zu kippen droht.
    • Sie haben das Gefühl, sich in Gegenwart anderer Menschen verstellen zu müssen, denn die wenigsten Menschen wissen, wie es in Ihnen aussieht, wenn Sie allein sind.
    • Manchmal wünschen Sie sich geradezu verzweifelt, dass jemand Ihre innere Not wahrnimmt und sich aus echtem Interesse danach erkundigt, wie es Ihnen wirklich geht.

All das können Hinweise darauf sein, dass Sie Ihre Rolle als Clown und/oder Unterhalter:in so tief verinnerlicht haben, dass Sie Ihnen zu einer zweiten Natur geworden ist. Aber das menschliche Erleben umfasst das gesamte Gefühlsspektrum: Von Freude, Fröhlichkeit über Wut, Trauer und Schmerz. Jedes Gefühl – ob positiv oder negativ – hat seine Berechtigung, denn es liefert uns wichtige Informationen über uns selbst, unsere Ziele, Sehnsüchte und Ängste.

Genauso haben auch Sie das Recht dazu, aus Ihrer Rolle herauszutreten und andere Menschen hinter Ihre Fassade blicken zu lassen. Ihre Verletzlichkeit ist keine Schwäche, auch wenn sich das in Ihrer Kindheit und Jugend anders angefühlt hat und womöglich sogar gegen Sie verwendet wurde.

Sie müssen nicht allen gefallen, um liebenswert bzw. der Liebe anderer würdig zu sein. Die Menschen, die Sie wertschätzen und respektieren, werden auch Ihre vermeintlichen Schattenseiten und dunklen Stunden gemeinsam mit Ihnen durchstehen.

Photo by Mercedes Bosquet on Unsplash
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Meine Frage an Sie:

Welche Gefühle waren in Ihrer Familie erlaubt, welche nicht? Welche Art von Humor war in Ihrer Familie „in Ordnung“? Wie gehen Sie heute mit „verbotenen“ Gefühlen um?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie dürfen traurig sein.
  • Sie dürfen verzweifelt sein.
  • Sie dürfen wütend sein.
  • Sie dürfen Ihre Maske fallen lassen.
  • Es ist nicht Ihre Aufgabe, andere Menschen glücklich zu machen.
  • Sie dürfen Ihre Gefühle äußern.
  • Ihre Gefühle und verdienen Beachtung.
  • Sie (!) verdienen Beachtung.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer

Perfekte Anleitung für gescheiterte psychologische Beratungen

Photo by Frankie on Unsplash
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Perfekte Anleitung für gescheiterte psychologische Beratungen

Eine Anleitung zum Scheitern in 10 Schritten. So scheitert garantiert jede Beratung. 

Im heutigen Beitrag finden Sie die perfekte Anleitung für gescheiterte psychologische Beratungen – online und offline. 

Hinweis vorab: Dieser Beitrag versteht sich als nicht sonderlich ernst gemeint, soll Sie aber bestenfalls zum Nachdenken darüber anregen, mit welchen Erwartungen und Verhaltensweisen Sie sich möglicherweise selbst sabotieren und eine Veränderung verhindern.

Photo by Adam Winger on Unsplash
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Schritt 1:  Stillstand. Sie wollen überhaupt keine Beratung, weder online noch offline.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Im Grunde genommen wollen Sie überhaupt nicht beraten werden – schon gar nicht psychologisch oder online. Deswegen setzen Sie von vorneherein alles daran, die Beratung scheitern zu lassen.

Wie? Sie verweigern das Gespräch, stellen das Mikrofon ab und/oder machen nebenbei etwas anderes. Ganz sicher jedoch sprechen Sie nicht über sich und Ihr Anliegen.

Schritt 2:  Sie halten psychologische Beratung für esoterischen Hokuspokus

… und sind enttäuscht, wenn weder Esoterik noch Hokuspokus zum Einsatz kommen. Und noch enttäuschter werden Sie, wenn Sie feststellen, dass in erster Linie kommuniziert wird und Sie Ihr Anliegen in Worte kleiden müssen.

Weder lassen sich Ihre Gedanken lesen noch kann man Ihnen Ihre Probleme zwangsläufig ansehen. Noch unwahrscheinlicher ist es, sie mit einem Fingerschnipsen verschwinden zu lassen.

Schritt 3:  Sie erwarten ein Wunder.

Und zwar jetzt gleich. Spätestens aber morgen.

Weder haben Sie die Zeit noch die Muße, sich eingehend mit sich selbst zu befassen oder etwas dafür zu tun, das eine Veränderung einleiten könnte.

Immerhin bezahlen Sie für die gebuchte Zeit und da könnte man doch zumindest erwarten, dass Sie nicht auch noch selbst (mit)arbeiten müssen. Oder?

Schritt 4:  Sie wollen eigentlich nichts verändern.

Im Prinzip soll sich alles von jetzt auf gleich ändern, aber ohne, dass sich etwas ändert. Vor allem aber nicht Sie selbst.

Wenn sich jemand ändern sollte, wären das ohnehin die anderen. Alles soll sich ändern und alles soll gleich bleiben. Zur selben Zeit.

Kurzum, ein Paradoxon.

Schritt 5:  Sie haben keine Zeit.

Ja, es wäre nett, wenn sich etwas zum Besseren ändern würde, aber leider fehlt Ihnen die Zeit dafür.

Zu viele Termine, Pflichten, Interessen und abschalten möchte man ja auch noch. Deshalb soll ein einziges Gespräch im Idealfall alles richten, was derzeit in Schieflage geraten ist, denn über mehr Zeit verfügen Sie leider nicht.

Und überhaupt – Zeit ist Geld.

Schritt 6:  Sie haben überhaupt nicht nachgedacht, was Sie sich von einer Beratung erhoffen

… denn immerhin ist es die Aufgabe des bzw. der Berater:in, Ihnen zu sagen, wieso Sie die Beratung in Anspruch nehmen. Dafür zahlen Sie schließlich, oder nicht?

Schritt 7:  Ihre Umgebung ist alles andere als ungestört.

Jederzeit könnten Ihr:e Partner:in, Ihre Kinder oder jemand anderes in das Beratungsgespräch hineinplatzen. Privatsphäre? Ein Rückzugsort? Ein Ort, an dem Sie sich fallen lassen könnten? Fehlanzeige.

Draußen lärmt außerdem eine Baustelle, Ihre Nachbarn streiten sich lautstark, das Telefon klingelt permanent und im Hintergrund laufen das Radio und/oder der Fernseher.

Ablenkung ist also vorprogrammiert.

Schritt 8:  Sie sind unehrlich, erfinden Geschichten und sprechen über alles Mögliche, nur nicht über sich und Ihre Situation.

Der Baron von Münchhausen würde vor Neid erblassen angesichts der Geschichten, die Sie zu erzählen haben. Ausschweifend, ausgeschmückt und alles, nur nicht wahr.

Oder Sie erzählen wiederholt von Ihrem Nachbar und dessen Problemen, lassen sich ausschweifend über das Wetter oder Ihr Frühstück aus. Sobald das Gespräch eine andere – tiefere Wendung – nimmt, blocken Sie ab, steigen Sie aus oder tauchen ganz unter.

Schritt 9:  Sie wollen einfach nur Zustimmung und hören, dass Sie recht haben und die anderen unrecht. 

Sie bezahlen Ihr hart verdientes Geld und nehmen folglich für sich in Anspruch, dass man Ihnen recht gibt, nicht widerspricht und Ihnen grundsätzlich nach dem Mund redet. Wer zahlt, schafft schließlich an.

Alternative Sichtweisen, mögliche blinde Flecken und ein kritischer Blick von außen sind nicht gefragt. Stattdessen möchten Sie ausschließlich bestätigt werden, kontinuierlich Zustimmung erhalten und sich keinesfalls mit einer potenziellen Gegenstimme auseinandersetzen.

Schritt 10:  Sie bleiben bei dem bzw. der falschen Beraterin, obwohl nichts stimmt: Weder die Chemie noch das Vertrauen.

Auch nach dem zehnten Gespräch, das Ihnen Bauchschmerzen bereitet, bleiben Sie bei der Person, für die Sie sich entschieden haben. Und das, obwohl Sie sich permanent missverstanden, nicht gehört oder wertgeschätzt fühlen und auch nicht in der Lage sind, zumindest eine gewisse Vertrauensbasis aufzubauen. Denn schließlich haben Sie bereits einiges Geld investiert, oder? Das kann schließlich nicht umsonst gewesen sein.

Zähne zusammenbeißen und durchhalten ist Ihre Devise. Was lange währt, wird endlich gut – so lautet Ihre Hoffnung.

Photo by Michael Oxendine on Unsplash
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Wie es mit der psychologischen Beratung doch noch klappen kann

Sie ahnten bereits beim Lesen des Titels, dass es sich um eine äußerst überspitzte Darstellung handelt. Tatsächlich sind viele der geschilderten Verhaltensweisen einfach nur menschlich. Wir setzen uns ungern mit unseren Schattenseiten, schlimmen Erlebnissen und/oder unserem Scheitern auseinander.

Gerade, wenn Sie erstmals darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann es sehr gute und valide Gründe dafür geben, sich selbst (vor weiteren) Verletzungen und/oder Enttäuschungen schützen zu wollen.

Trotzdem können Sie die Anti-Anleitung dazu nutzen, sich selbst einmal in Ruhe zu fragen, welche möglichen Gegenschritte sinnvoll wären, um aus der gescheiterten Beratung eine erfolgreiche bzw. gelungene Beratung zu machen. Zudem hilft sie Ihnen  dabei zu reflektieren, welche Hemmnisse und/oder Hindernisse Sie davon abhalten, sich auf eine Beratung und den Prozess zur Veränderung einzulassen.

Sprechen Sie Ihre Ängste, Sorgen und Zweifel am besten sobald wie möglich an, denn in der Beratung stehen Sie mit Ihrem Anliegen im Fokus.

Wenn Sie weitere Unterstützung oder Tipps benötigen, können Sie dazu auch den Artikel „Die passende Beratung finden: Worauf Sie achten sollten“ lesen. Darin gehe ich darauf ein, anhand welcher Kriterien Sie eine Entscheidung für oder gegen einen bzw. eine Beraterin treffen können. 

Sie möchten mit mir zusammenarbeiten?

Im Erstgespräch erfassen wir Ihre persönliche Situation sowie Ihr individuelles Anliegen. Gemeinsam eruieren wir, welche Form und Intensität der Beratung für Sie infrage kommt. Ich stehe Ihnen dabei unterstützend und beratend zur Seite - empathisch, wertfrei und transparent. (Bildquelle: Photo by Danilo Batista on Unsplash)

 

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© 2022 Romy Fischer

Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Sündenbocks

Photo by Jose Francisco Morales on Unsplash
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Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Sündenbocks

Warum bin ich immer an allem schuld? Wieso behandeln meine Eltern meine Geschwister besser als mich? Mit solchen und ähnlichen Fragen quälen sich viele Kinder, Jugendliche und selbst noch Erwachsene. Wie es dazu kommt, das in beinahe jeder Familie ein Mitglied der Familie zum Sündenbock bzw. schwarzen Schaf gemacht wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Heute stelle ich Ihnen den fünften Teil der mehrteiligen Serie „Familienrollen – Wenn die Rolle in der Familie zum Gefängnis wird“ vor, die Ihnen dabei helfen können, sich selbst, die Beziehung zu Ihren Bezugspersonen sowie Ihre Kindheit bzw. Jugend besser zu verstehen.

WER IST DER SÜNDENBOCK BZW. DAS SCHWARZE SCHAF?

Der Sündenbock bzw. das schwarze Schaf in einer Familie ist eine der undankbarsten Rollen, die ein Kind einnehmen kann bzw. die ihm zugewiesen wird. Sündenböcke dienen häufig als Blitzableiter und werden als Verursacher:innen von Unglück, Streitereien und/oder Pech in der Familie betrachtet.

Auf ihnen lastet die Verantwortung für das Wohlergehen der gesamten Familie, in extremen Fällen sogar der gesamten Verwandtschaft. Sie werden als andersartig wahrgenommen, stechen zumeist negativ heraus und bereiten der Familie aus elterlicher Sicht vor allem eines: Kummer, Sorgen – und Ärger. 

Photo by K. Mitch Hodge on Unsplash
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AUF DER SUCHE NACH EINEM BZW. EINER SCHULDIGEN

Die Rolle des Sündenbocks bzw. des schwarzen Schafs ist eine tragische Rolle. Das Kind, auf dem diese Rolle lastet, leidet in mehrfacher Hinsicht. Und das Schlimmste: Es kann nichts richtig machen.

Schon früh lernt es, dass es keine Rolle spielt, wie es sich verhält, was es tut oder nicht tut – ihm wird von seinen Bezugspersonen bzw. Eltern grundsätzlich die Schuld und Verantwortung für jedes Missgeschick und jede unschöne Situation aufgeladen. Im Grunde genommen kann es nichts richtig machen, ganz gleich, wie sehr es sich auch anstrengen mag. Vermeintliche Schuld haftet an ihm wie eine zweite Haut, aus der es sich nicht befreien kann.

Ob es sich um elterliche Konflikte, geschwisterliche Auseinandersetzungen oder Ereignisse außerhalb der Familie handelt, das Kind, das sich in der Rolle des Sündenbocks befindet, wird (meist unbewusst) zum bzw. zur Mitschuldigen und/oder sogar Verantwortlichen gemacht.

Photo by Timon Studler on Unsplash
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AUßENSEITER UND AUßENSEITERIN IN DER EIGENEN FAMILIE

Familie ist nicht immer der Ort, an dem Kinder geborgen und sicher aufwachsen können. Kinder, die als Sündenböcke bzw. schwarze Schafe aufwachsen, bekommen das sehr deutlich am eigenen Leib zu spüren.

Kinder fragen sich verzweifelt immer wieder nach dem Warum.

Warum gerade ich? Warum mag meine Familie mich nicht? Was habe ich falsch gemacht? Was ist so falsch an mir?

Zu Beginn realisiert das Kind nicht, dass es völlig unerheblich ist, was es tut oder nicht tut. Immer wieder probiert es ein neues Verhalten aus, um eine andere Reaktion seiner Bezugspersonen bzw. Eltern hervorzurufen – und scheitert dabei jedoch jedes Mal aufs Neue. Denn das Problem liegt in der Regel nicht beim Kind.

Photo by Eric Ward on Unsplash
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GRÜNDE, WARUM MAN ZUM SÜNDENBOCK (GEMACHT) WIRD

Die Gründe dafür, dass ein Kind in der Familie zum Sündenbock gemacht wird, sind vielfältig – ihre Gemeinsamkeit besteht meist darin, dass das Kind durch diese Rolle das (dysfunktionale) Familiensystem weiterhin aufrechterhält, indem es für die negativen Spannungen, Emotionen und Konflikte verantwortlich gemacht wird.

Das kann bereits dadurch entstehen, dass das Kind wenig Gemeinsamkeiten mit seinen Eltern aufweist – angefangen von äußerlichen Erscheinungsmerkmalen bis hin zu Persönlichkeitsmerkmalen. Es kann auch sein, dass das Kind den Erwartungen an das kindliche Verhalten nicht gerecht wird (oder gerecht werden kann), indem die Eltern ein relativ rigides Verhalten einfordern: Abweichungen von der familiären Norm werden dann als bedrohlich empfunden und ihrerseits von den Eltern abgelehnt und abgewehrt. Das wiederum führt im kindlichen Erleben zur Ablehnung des Kindes selbst.

Weitere Gründe bestehen darin, dass Eltern sich ihre eigene Überforderung nicht eingestehen können oder wollen, ihre Hilf- und Ratlosigkeit sowie die Aufdeckung eigener Fehler um jeden Preis verhindern wollen. Deshalb benutzen sie das Kind als Projektionsfläche ihrer eigenen Unzulänglichkeiten.

Auf diese Weise wird paradoxerweise das Familiensystem aufrechterhalten: Die Familie klammert sich an die Rollenzuschreibungen und gleichzeitig erhält sie sich über diese aufrecht.

Aus welchen Gründen die Zuschreibung als Sündenbock und/oder schwarzes Schaf der Familie letztendlich auch erfolgt, die Folgen für das Kind und seine Entwicklung sind fatal. Ausgrenzung, Herabsetzung, Verweigerung von Zuwendung und/oder Beschuldigung hinterlassen ihre Spuren und prägen das kindliche Selbstbild massiv.

Photo by Tammy Gann on Unsplash
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DIE GESCHWISTER DES SÜNDENBOCKS

Oft erfolgt innerhalb der Familie eine Aufteilung zwischen den Geschwistern, die sich zwischenzeitlich verändern kann, sich langfristig jedoch durchsetzt: 

Ein Kind wird zum weißen, eines zum schwarzen Schaf. Und auch wenn es das weiße Schaf vermeintlich leichter hat, spürt auch dieses Kind die Erwartungen und den elterlichen Druck, nicht aus seiner Rolle zu fallen.

Zwischen den Geschwistern, die sich auf diese Weise wie zwei Pole diametral gegenüberstehen, entsteht allmählich Zwietracht, Neid, zunehmende Rivalität und/oder sogar Hassgefühle. Die elterliche Ungleichbehandlung, die einzig auf der Rollenzuweisung beruht, befeuert diese negative Entwicklung. Nicht selten dauert dieser Konflikt auch lange nach dem Auszug aus dem Elternhaus an, denn die erlebte Benachteiligung, Ausgrenzung und permanente Beschuldigung hinterlassen tiefe Spuren im emotionalen Gedächtnis.

Häufig brechen die ehemaligen Sündenböcke den Kontakt zur Familie gänzlich ab – auch und gerade zu den als bevorzugten und geliebter empfundenen Geschwistern. 

Photo by Annie Spratt on Unsplash (4)
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FOLGEN FÜR DIE KINDER

Kinder, denen die Rolle des Sündenbocks bzw. des schwarzen Schafes zugeteilt wurde, tragen langfristige Schäden davon. Insbesondere ihr Selbstbild und die Eigenwahrnehmung leiden darunter, zum Prellbock und zum bzw. zur Schuldigen gemacht worden zu sein.

Sie neigen im Laufe des Lebens u. a. zu folgenden Verhaltensweisen:

  • Sie suchen aus Prinzip die Schuld bei sich: Unabhängig davon, ob es um die Beziehung zu anderen Menschen geht – oder um mögliche Fehler. 
  • Sie vermeiden es, anderen Menschen ihr Vertrauen zu schenken, denn erneute Verletzungen und Enttäuschungen ertragen sie nicht (mehr).
  • Sie stehen unter dem permanenten Druck, sich und ihren Wert beweisen zu müssen – dass jemand sie einfach so mögen könnte, halten sie für undenkbar.
  • Sie ertragen es nicht, für etwas verantwortlich zu sein und lehnen daher oftmals von vorneherein jegliche Verantwortung ab. Beruflich bleiben sie hinter ihren Möglichkeiten zurück, privat verstricken sie ihre Mitmenschen in Situationen, wie sie sie bereits aus ihrer Kindheit kennen.
  • Sie tragen die tiefe Überzeugung in sich, im Kern ihres Wesens nicht liebenswert zu sein, nichts Gutes zu verdienen und mit Respektlosigkeit behandelt werden zu dürfen.
  • Entweder klammern sie sich krampfhaft an ihre Beziehung und tun alles dafür, dass sie nicht verlassen werden – oder sie vermeiden es, jemanden in ihr Leben zu lassen bzw. halten selbst ihre:n Partner:in auf sicherem Abstand.

Photo by Tammy Gann on Unsplash
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WAS SIE TUN KÖNNEN, UM VERGANGENEN SCHMERZ ZU VERARBEITEN UND LOSZULASSEN

Was können Sie tun, wenn Sie in Ihrer Familie der Sündenbock bzw. das schwarze Schaf waren?

Das Wichtigste vorab: Es ist niemals die Schuld des Kindes, wenn Bezugspersonen bzw. Eltern ihre Unzulänglichkeiten auf dem Rücken ihrer Kinder austragen. Niemals.

Die Gefühle von Unzulänglichkeit, Ungeliebtsein und/oder die tiefsitzende Überzeugung, falsch zu sein, müssen zunächst einmal erkannt und vor allem anerkannt werden. Einfach so zu tun, als ob das alles nie geschehen sei, ist wenig hilfreich. Ebenso wenig hilft es, Ressentiments zu haben, Hassgefühle zu entwickeln oder der Verbitterung anheimzufallen. Das wäre ungefähr so funktional, als ob man selbst Gift tränke und hoffte, ein anderer würde daran zugrunde gehen.

Stattdessen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit der Vergangenheit allmählich abzuschließen und womöglich sogar Frieden machen zu können. Nicht etwa, um das Erlebte einfach so hinzunehmen und/oder sogar als akzeptabel anzusehen – ganz im Gegenteil. Der Fokus liegt hier auf Ihnen selbst. Darauf, dass es Ihnen in Zukunft besser geht und ergeht, trotz der Dinge, die Sie erlebt und erfahren haben.

VERARBEITUNG IN 5 SCHRITTEN

Schritt 1:  Das erlittene Unrecht benennen.

Schreiben oder nehmen Sie alles an Ungerechtigkeiten auf, die Sie erlebt haben. All das, was Ihnen fehlte und/oder Ihnen nicht gewährt wurde.

Wenn das Erlebte Sie jedoch zu stark belastet und auch Ihren Alltag beeinträchtigt, sollten Sie diesen Schritt im Rahmen einer psychologischen Beratung (oder sogar Psychotherapie) tun, um stabilisierende Methoden zu erlernen.

Schritt 2:  Das erlittene Unrecht anerkennen.

Es war nicht fair oder gerecht. Es war nicht einmal ansatzweise in Ordnung. Wie man Sie behandelt hat, hatten Sie nicht verdient – und verdienen es auch heute nicht. Ihnen wurde zugemutet, was Ihre Bezugspersonen bzw. Eltern selbst nicht leisten konnten. Sie trugen die Last anstelle Ihrer Eltern. 

Das war nicht richtig.

Schritt 3:  Das Unrecht und seine Folgen betrauern.

Zu benennen, was in der Vergangenheit passiert ist, führt oftmals zu schmerzhaften Gefühlen – Gefühlen des Verlustes, Gefühlen der Wut und der Trauer. Manchmal keimen sogar Hassgefühle auf. Ihre Gefühle sind berechtigt, denn diese machen Sie zum einen darauf aufmerksam, was Ihnen widerfahren ist und zum anderen helfen sie dabei, den Schmerz zu akzeptieren und zu verarbeiten. 

Der Trauerprozess verläuft nicht geradlinig, sondern in Wellen bzw. Phasen, mit Höhen und Tiefen. Und er benötigt Zeit.

Schritt 4:  Ihre Einzigartigkeit anerkennen.

Es mag sein, dass Sie sich in irgendeiner Form von den übrigen Mitgliedern Ihrer Familie unterschieden – äußerlich und/oder innerlich. Das jedoch rechtfertigt nicht, was Sie erlebt haben. Es wäre vielmehr die Aufgabe Ihrer Eltern gewesen, an sich zu arbeiten, statt ihre Unzulänglichkeiten und Hilflosigkeit auf Sie zu projizieren.

So, wie Sie sind, sind Sie völlig einzigartig. Leider war es Ihren Eltern nicht möglich, mit dieser Einzigartigkeit (gut) umgehen zu können. Vielleicht hätte Ihre Familie Unterstützung gebraucht, um einen besseren Umgang finden zu können. Vielleicht hatten Sie aber auch einfach nicht die Eltern, die Sie gebraucht hätten. 

Es geht hierbei nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, sich selbst zu würdigen, mit allem, was da ist. Sie sind einzigartig.

Schritt 5:  Ihre Schwächen akzeptieren und Ihre Stärken würdigen.

Jedes Lebewesen kommt mit einem bestimmten Potenzial auf diese Welt. Nicht jedes Potenzial wird ausgeschöpft, nicht jedes Talent genutzt.

Jeder Mensch verfügt über Schattenseiten, unangenehme Eigenschaften und/oder verhält sich gelegentlich falsch. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie als Mensch falsch sind. Es bedeutet auch nicht, dass Sie schlecht sind.

Jeder von uns hat bestimmte Schwächen, aber auch bestimmte Stärken. Machen Sie sich beide bewusst. Akzeptieren Sie das, worin Sie (noch) nicht gut sind – und würdigen Sie das, worin Sie glänzen. Als Menschen sind wir von Perfektion und Vollkommenheit fasziniert, aber sie sind nicht der Maßstab für unseren Wert.

Ihr Wert als Mensch ist bereits dadurch gegeben, dass es Sie gibt.

Dieser gesamte Prozess muss oft mehrmals durchlaufen werden – und je schwieriger Ihre Erfahrungen waren, umso wichtiger ist es, dass Sie sich dafür gute und vertrauenswürdige Unterstützung suchen.

Photo by Mercedes Bosquet on Unsplash
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Meine Frage an Sie:

Wie haben Sie gemerkt, dass Sie der Sündenbock bzw. das schwarze Schaf der Familie waren (oder sogar noch sind)? Wie hat sich das auf Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern und/oder Geschwistern ausgewirkt?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Die Zuschreibung Ihrer Eltern definiert nicht, wer und wie Sie sind.
  • Sie tragen keine Schuld für die Fehler und Unzulänglichkeiten Ihrer Eltern. 
  • Sie dürfen selbst entscheiden, wie Sie leben wollen.
  • Sie sind einzigartig auf diesem Planeten.
  • Ihre Wünsche und Ziele müssen nicht mit denen Ihrer Eltern übereinstimmen.
  • Sie haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, das Sie nach Ihren Vorstellungen gestalten.
  • Sie sind kein Fehler, kein Unglück und auch kein Irrtum.
  • Sie dürfen sich selbst wertschätzen, respektieren und lieben, denn Ihr Wert bemisst sich nicht an Ihren Leistungen, Ihrem Aussehen und/oder den Zuschreibungen anderer.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer

Dysfunktionale Familien: Das Kind als Partner-Ersatz

Photo by Daiga Ellaby on Unsplash
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Dysfunktionale Familien: Das Kind als Partner-Ersatz

Wann wird ein Kind zum Partnerersatz? Was ist Parentifizierung? Und wie kommt es zur Rollenumkehr zwischen Eltern und Kind?

Wenn Kinder zum Ersatz für die Partnerin oder den Partner werden, hat das weitreichende Folgen für ihre Entwicklung.

Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit diesem wichtigen Thema. Er zeigt auf, wie diese innerfamiliäre Rollenumkehr aussehen kann und wie Sie erkennen können, ob Sie davon betroffen sind.

Heute stelle ich Ihnen den vierten Teil der mehrteiligen Serie „Familienrollen – Wenn die Rolle in der Familie zum Gefängnis wird“ vor, die Ihnen dabei helfen können, sich selbst, die Beziehung zu Ihren Bezugspersonen sowie Ihre Kindheit bzw. Jugend besser zu verstehen.

WAS IST EIN PARTNER-ERSATZ?

Kinder, die zum Ersatz des bzw. der Partnerin eines Elternteils werden, erfüllen mehrere Funktionen in der Familie. Anstelle eines gleichberechtigten Partners auf Augenhöhe wird dem Kind die Bürde auferlegt, emotional – und unter Umständen sogar körperlich – für den verbliebenen Elternteil zu sorgen. Dabei findet eine sogenannte „Rollenumkehr“ statt, die missbräuchliche Züge aufweist und im Extremfall eindeutig als Missbrauch zu bezeichnen ist.

In jedem Fall aber handelt es sich um eine höchst ungesunde Form der Eltern-Kind-Beziehung, die dem Kind zugemutet wird.

Photo by Luise and Nic on Unsplash
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WIE WIRD EIN KIND ZUM PARTNER-ERSATZ?

Zum Ersatz des Partners bzw. Partnerin wird ein Kind häufig dann, wenn die Beziehung der Eltern zueinander endet. Das kann beispielsweise durch eine Trennung bzw. Scheidung der Fall sein.

Ebenso kann ein Kind zum Partnerersatz werden, wenn einer – im Extremfall sogar beide – Elternteile sich emotional und/oder körperlich von ihrer Partner:in im Stich gelassen fühlen. In diesem Fall ist die Beziehung der Eltern zwar nach außen hin noch vorhanden, innerlich jedoch haben sich die Elternteile voneinander losgesagt, ohne ihre Trennung offiziell zu machen. Dieser ambivalente Zustand zwischen den Eltern wiederum verstärkt das Risiko der Rollenumkehr, je länger er andauert.

Photo by Jess Zoerb on Unsplash
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ENGE ELTERN-KIND-BEZIEHUNGODER BEREITS MASSIVE GRENZÜBERSCHREITUNG?

In der mildesten Form dient das Kind als Ratgeber:in, Tröster:in und/oder Seelsorger:in für die Eltern, in der massivsten Form kann es zu emotionalen und/oder körperlichen Grenzüberschreitungen und zu Missbrauch im strafrechtlichen Sinn kommen.

Das Tragische dabei ist, dass zum einen die Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson von außen fälschlicherweise als besonders und innig angesehen wird – und zum anderen das Kind zwar die Bevorzugung bis zu einem gewissen Grad zu genießen scheint, dabei aber Gefahr läuft, Grenzüberschreitungen eher zu dulden und/oder über sich ergehen zu lassen, um die Zuneigung seiner Bezugsperson nicht aufs Spiel zu setzen.

Dabei verliert das Kind nach und nach das Gefühl für seine eigenen (Körper-) Grenzen bzw. ist nicht (mehr) in der Lage, diese nach außen hin zu kommunizieren. 

Photo by Annie Spratt on Unsplash (4)
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FOLGEN FÜR DIE KINDER

Kinder tun alles Erdenkliche, um die Zuneigung und Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen zu erhalten und zu sichern, selbst wenn das bedeutet, dass sie ihre eigenen Grenzen aufgeben müssen. Je kleiner und jünger sie sind, desto größer ist naturgemäß die Abhängigkeit zu ihren Eltern und damit zugleich auch das Bestreben, die elterliche Zuwendung um jeden Preis aufrechtzuerhalten.

Ihr Vertrauen in die elterliche Fürsorge und Sicherheit gerät massiv ins Wanken, wenn das Kind in der Familie von einer Sekunde auf die andere die Rolle eines bzw. einer Erwachsenen übernehmen muss.

Als Erwachsene steigt bei dieser fatalen Rollenumkehr für sie das Risiko, in ähnliche Beziehungsstrukturen zu geraten und Opfer von grenzüberschreitenden Partner:innen zu werden. 

Es besteht jedoch auch das Risiko, dass sie umgekehrt Beziehungen suchen, in denen sie zu Täter:innen werden und die Grenzen ihrer Partner bzw. Partnerin bedrohen.

Photo by David Griffiths on Unsplash
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ES IST NIEMALS DIE AUFGABE DES KINDES, DIE BEDÜRFNISSE SEINER ELTERN ZU BEFRIEDIGEN

Es ist einzig und alleine die Aufgabe der Eltern, sich um ihr Kind zu kümmern, es zu versorgen und ihm die Unterstützung zukommen zu lassen, die es benötigt, um zu einem bzw. einer emotional und körperlich gesunden jungen Erwachsenen heranzureifen.

Keineswegs jedoch dürfen Eltern diese Aufgabe an ihre Kinder abwälzen und versuchen, ihre Bedürfnisse mithilfe und/oder durch das Kind zu befriedigen.

Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Oftmals sind die Eltern selbst mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Sie sind aufgrund eigener Vorerfahrungen oft nicht in der Lage, Konflikte in ihrer Beziehung adäquat zu lösen und flexibel auf neue Herausforderungen im Leben zu reagieren. Je nach Persönlichkeitsstruktur wird dem Kind dann – oftmals stillschweigend – die Aufgabe zugesprochen, für das Wohlbefinden des Elternteils zu sorgen. 

Auf emotionaler Ebene kann das bedeuten, die Stimmungen und Launen abzufedern bzw. umzulenken, stets wie auf Eierschalen zu laufen und ständig in Habachtstellung zu sein. Es kann aber auch dazu führen, dass das Kind die emotionale Last der Eltern schultern muss, indem es für konkrete Lösungen in bestimmten Situationen herangezogen wird, die seine eigene emotionale und geistige Reife übersteigen.

Photo by Jose Aragones on Unsplash
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PARENTIFIZIERUNG: BIN ICH DAVON BETROFFEN

Wenn Sie sich nun fragen, ob Sie betroffen sind, indem Sie in Ihrer Kindheit für Ihre Eltern sorgen mussten, können Ihnen folgende Anhaltspunkte bei der Beantwortung Ihrer Frage weiterhelfen:

    • Wichtige Entscheidungen wurden wiederholt mit Ihnen anstelle mit Ihrem Vater und/oder Ihrer Mutter besprochen und getroffen.
    • Sie lernten bereits früh die Sorgen und Ängste Ihrer Eltern kennen und versuchten, diese so gut es ging zu reduzieren bzw. Ihre Eltern nach Möglichkeit zu entlasten.
    • Sie wurden in jungen Jahren in Familiengeheimnisse eingeweiht, die Sie gegenüber Ihren Freundinnen und Freunden, der Schule und anderen Außenstehenden bewahren mussten.
    • Sie waren als ältestes Kind in der Familie für die Betreuung, Versorgung und/oder schulischen Belange Ihrer jüngeren Geschwister verantwortlich.
    • Ihre Eltern konfrontierten Sie früh mit Themen und/oder Problemen in ihrer eigenen Beziehung, die nicht kindgerecht waren, wie etwa Sexualität, Machtverhältnisse und/oder finanzielle Sorgen.
    • Im Vergleich zu Ihren gleichaltrigen Freundinnen und Freunden trugen Sie deutlich mehr Verantwortung.
    • Sie hörten häufig Äußerungen wie „Was würde ich nur ohne dich machen!“ – „Auf dich kann ich mich verlassen!“ – „Zum Glück bist du nicht wie dein Vater/deine Mutter!“ – „Du bist doch der/die Älteste, also musst du …“ – „Es ist deine Schuld, wenn wir streiten/ich schlecht gelaunt bin.“ – „Nur du verstehst, wie es mir wirklich geht.“ – „Ich zähle auf dich, also enttäusche mich nicht.“

Photo by Pavan Trikutam on Unsplash
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WIE GEHE ICH HEUTE DAMIT UM?

Wenn Sie realisiert haben, dass Ihre Eltern nicht in der Lage waren, angemessen für Sie zu sorgen und ihren elterlichen Pflichten nachzukommen, kann das zunächst einmal eine sehr schmerzhafte Erkenntnis sein. 

Unter Umständen geht es darum, eine verlorene Kindheit zu betrauern, wenn Sie bemerken, dass es Ihren Eltern im Rahmen ihrer Fähigkeiten nicht möglich war, für Sie so zu sorgen, wie Sie es als Kind gebraucht hätten.

Sie dürfen jederzeit … 

  • … für sich selbst ein guter Elternteil sein, indem Sie sich so behandeln, wie Sie es sich in einer bestimmten Situation gewünscht hätten.
  • äußere und innere Grenzen setzen. Ihr Körper und Ihre Gedanken gehören Ihnen allein.
  • Nein sagen. Und zwar ohne jede Begründung.
  • … eine Beziehung beenden. Unabhängig davon, was Ihr:e Partner:in dazu sagt.
  • … auf Ihre Bedürfnisse achten und sie erfüllen. Denn das kann Ihnen niemand abnehmen – und nur Sie können wirklich einschätzen, was Ihnen langfristig guttut.
  • … um Hilfe bitten. Dabei dürfen Sie durchaus das Risiko eingehen, dass die Bitte abgelehnt wird.
  • gut für sich sorgen. Ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind wichtig für Ihr inneres Gleichgewicht.
  • … einen kritischen Blick in die Vergangenheit werfen, aber darüber nicht vergessen, in der Gegenwart und Zukunft eigenverantwortlich zu leben.

Was in der Vergangenheit geschehen ist, ist geschehen und lässt sich auch nicht rückgängig machen. Was Sie heute jedoch tun können, um zufriedener und glücklicher leben zu können: Seien Sie für sich selbst der gute Elternteil, den Sie damals gebraucht hätten.

Photo by Mercedes Bosquet on Unsplash
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Meine Frage an Sie:

Mussten Sie als Kind Ihre Eltern emotional und/oder sogar körperlich umsorgen? Durften Sie einfach Kind sein?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Kinder haben das Recht auf eine gewaltfreie, unterstützende und liebevolle Kindheit, in der sie Kind sein dürfen.
  • Sie sind weder Eigentum noch verlängertes Selbst ihrer Eltern bzw. Bezugspersonen.
  • Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, wenn Sie in heutigen Beziehungen das Gefühl haben, dass Ihre Grenzen nicht respektiert werden und/oder Sie für die Belange anderer instrumentalisiert werden sollen.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer

Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Vorzeige-Kindes

Photo by Caroline Hernandez on Unsplash
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Dysfunktionale Familien: Die Rolle des Vorzeige-Kindes

Warum sind Vorzeige-Kinder häufig unglücklich? Sie sind exzellente Schüler:innen, gelten häufig als Vorbild für andere, erbringen oftmals Höchstleistungen und geben ihren Bezugspersonen selten Anlass zur Sorge. Weshalb also neigen sie dazu, unglücklicher zu sein als andere Kinder?

Heute stelle ich Ihnen den dritten Teil der mehrteiligen Serie „Familienrollen – Wenn die Rolle in der Familie zum Gefängnis wird“ vor, die Ihnen dabei helfen können, sich selbst, die Beziehung zu Ihren Bezugspersonen sowie Ihre Kindheit bzw. Jugend besser zu verstehen.

WER SIND DIESE VORZEIGE-KINDER?

Vorzeigekinder sind das vermeintlich gelungene Ergebnis einer erfolgreichen Erziehung. Sie gelten als Vorbilder und/oder Musterkinder, die man gerne in den Mittelpunkt stellt. Sie erfüllen ihre Eltern mit Stolz und werfen durch ihr untadeliges Verhalten, ihre soziale Kompetenz und/oder ihre exzellente Noten ein positives Licht auf ihre Eltern.

Doch wie so häufig ist der Preis auch für dieses gezeigte Verhalten hoch – und es sind die Kinder, die ihn bezahlen müssen.

Photo by Eugenia Maximova on Unsplash
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DAS VORZEIGE-KIND: DER GEWINNER DER FAMILIENROLLEN?

Vorzeigekinder haben es im Vergleich mit anderen familiären Rollen vermeintlich gut getroffen: Ihre Eltern loben sie oft über den grünen Klee und stellen ihre Person regelmäßig als leuchtendes Beispiel hin. Die Eltern lassen kaum eine Gelegenheit ungenutzt, um die Vorzüge und herausragenden Leistungen ihrer Sprösslinge hervorzuheben. Oft und gerade auch im Vergleich mit vermeintlich weniger Begabten und/oder Schwächeren.

Meist legen die Eltern ebenfalls großen Wert auf die intensive Förderung ihres Nachwuchses: Sie investieren viel Zeit und Geld und scheuen keine Mühe, um ihren Kindern den Platz zu sichern, der ihnen nach elterlicher Meinung rechtmäßig zusteht. 

Worin besteht also dann überhaupt das Problem?

Photo by Aaron Burden on Unsplash (2)
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HINTER DER FASSADE: EINSAM UND UNGLÜCKLICH

Bin ich gut genug? Ist meine Leistung ausreichend? Was passiert, wenn ich einmal versage? Haben meine Eltern mich dann noch lieb?

Mit solchen und ähnlichen Fragen quälen sich viele Vorzeigekinder, insbesondere dann, wenn sie entweder noch nie gescheitert sind – oder aber bereits einmal erfahren haben, welche tiefe Enttäuschung sie ihren Eltern dadurch bereitet haben.

Diese kindlichen Ängste werden zusätzlich dadurch befeuert, dass Eltern eine gewisse Erwartungshaltung ihren Kindern gegenüber an den Tag legen: Hervorragende Leistungen sind der Standard, kleinste Abweichungen davon führen zu Irritationen und Druck.

Wenn die sehr gute Leistung erst einmal zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann reagieren Eltern häufig mit wenig Verständnis auf ein schlechteres Ergebnis. Selbst wenn dieses Missfallen nicht verbal ausgedrückt wird, haben Kinder feine Antennen dafür, wie ihre Eltern mit ihnen umgehen. Eine Änderung im Umgang bleibt daher keineswegs unbemerkt, vielmehr ist das Gegenteil der Fall.

Photo by Kelly-Ann Tan on Unsplash
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STRESS, DRUCK UND ÜBERFORDERUNG DURCH DIE ERWARTUNGEN DER BEZUGSPERSONEN

Kinder sind in ihrer Wahrnehmung wesentlich sensibler, als wir gemeinhin annehmen. Sie bemerken in der Regel sehr schnell, ob sie so angenommen werden, wie sie sind – oder so, wie sie sein sollen bzw. wie es von ihnen erwartet wird. 

Je jünger sie sind, desto mehr streben Kinder danach, ihren Bezugspersonen bzw. Eltern zu gefallen, denn davon hängt schließlich ihr Überleben ab. Elterliche Zuwendung ist in diesen frühen Jahren buchstäblich überlebensnotwendig.

Um den elterlichen Erwartungen zu genügen, müssen sie sich und ihre eigenen Bedürfnisse teilweise verleugnen, teilweise die Bedürfnisse der Eltern zu ihren eigenen machen. Die Kinder verbiegen sich, ihre Interessen und ihre Persönlichkeit so weit, dass sie am Ende schließlich selbst nicht mehr wissen, wo sie aufhören und ihre Eltern beginnen. 

Oftmals lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, ob es etwa dem kindlichen Ehrgeiz entsprungen ist, zu den Besten der Klasse gehören zu wollen – oder ob sie nicht einfach die elterliche Erwartung so weit verinnerlicht, internalisiert haben, dass sie sogar selbst zu glauben beginnen, es sei ihr eigener freier Wunsch.

Photo by Michał Parzuchowski on Unsplash
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IN UNGNADE GEFALLEN: ELTERLICHE BESTRAFUNG

Erfüllen die Vorzeigekinder nicht mehr die Erwartungen ihrer Eltern, reagieren diese oft mit Bestrafung auf unterschiedlichen Ebenen. Im Kern drehen sich die Strafen aber jedoch meist darum, dass sie dem Kind seinen Sonderstatus in der Familie vorübergehend (oder dauerhaft) entziehen.

Je nach Ausmaß der Bestrafung kann es sogar bis hin zu psychischer Gewalt gehen, wenn dem Kind dauerhaft Zuwendung, Wertschätzung und familiärer Rückhalt verwehrt werden.

In elterliche Ungnade zu fallen kann beispielsweise wie folgt aussehen:

    • Eltern lassen ihre Kinder die Enttäuschung deutlich spüren, indem sie sie entweder weniger oder gar nicht mehr beachten. [Strafe durch Ignoranz]
    • Eltern warten mit Vergleichen Gleichaltriger (oder sich selbst im selben Alter) auf, bei denen das eigene Kind plötzlich viel schlechter abschneidet. [Strafe durch Abwertung]
    • Eltern bestrafen ihr Kind mit dem Entzug von Privilegien (Exklusivzeit, besondere Unternehmungen, etc.). [Strafe durch Abwertung]

Diese Maßnahmen sind aus elterlicher Sicht notwendig, um das Kind wieder „auf Kurs“ bzw.  „in die Spur“ zu bringen. Dabei glauben sie in der Regel, zum Wohle des Kindes und zu seinem Besten zu handeln, sind dabei jedoch nicht in der Lage, die daraus entstehenden Konsequenzen für ihr Kind zu antizipieren.

Photo by Egor Myznik on Unsplash
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FOLGEN FÜR DAS KIND

Kinder, die daran gewöhnt sind, stets wie Vorzeigeobjekte behandelt zu werden, bemessen ihren Wert zunehmend nur noch daran, wie „vorzeigbar“ sie sind – in ihrem äußeren Erscheinungsbild, ihrer schulischen Leistung, ihren Erfolgen im Sport und/oder ihrem grundsätzlichen Verhalten im Umgang mit anderen.

Mit der Zeit übernehmen sie den elterlichen Blick auf sich selbst und erwarten von sich nur noch Höchstleistungen, Makellosigkeit und Vollendung.

Werden diese Ansprüche nicht (mehr) erfüllt – weil sie etwa fernab jeder Realität liegen – beschädigt das ihr ohnehin bereits fragiles Selbstbild. Im Grunde genommen verbleiben ihnen nur wenige Handlungsoptionen: 

    • Sie strengen sich noch mehr an, bringen noch mehr Leistung und beugen sich dem Druck der elterlichen Erwartung.
    • Sie verweigern jeglichen Druck, bleiben hinter ihren Fähigkeiten bzw. ihrem Potenzial zurück, gehen in eine totale Abwehrhaltung und rebellieren offen.
    • Sie vertuschen vermeintliche Unzulänglichkeiten (schlechte Noten beispielsweise), beschönigen ihre eigene Leistung und/oder lügen, wenn sie nach ihrem Abschneiden gefragt werden.

Künftige Beziehungen, ob auf freundschaftlicher, kollegialer und/oder romantischer Ebene sind dann häufig von der Furcht geprägt, als ganz normale Durchschnittsmenschen mit Ecken und Kanten entlarvt zu werden – und damit Zuwendung, Aufmerksamkeit und Rückhalt aufs Spiel zu setzen, wie sie es bereits aus der Beziehung zu ihren Eltern kennen.

Photo by Annie Spratt on Unsplash
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KEIN AUSSTELLUNGSOBJEKT, SONDERN EIN MENSCH MIT BEDÜRFNISSEN

Gerade, wenn die elterliche Erwartung tief in einem Menschen verankert ist – die wenigsten Menschen sind davon frei – fällt es ihm besonders schwer, sich von dieser Erwartungshaltung zu befreien.

Dabei gilt es vor allem einen schmerzlichen Verlust zu akzeptieren: Den Verlust des Sonderstatus mit all den damit verbundenen Privilegien. Dieser Prozess ist oft schmerzlich und bedarf einer gewissen Trauerzeit.

Privilegien und/oder eine besondere Behandlung sind jedoch kein Zeichen von aufrichtiger Wertschätzung, Zuneigung und/oder Liebe, sondern oftmals ein Instrument, das dazu dient, Sie dazu zu bewegen, etwas für einen anderen Menschen zu erledigen.

Im Fall Ihrer Eltern vielleicht, sich über Ihre Errungenschaften zu profilieren. Im Fall Ihrer Vorgesetzten vielleicht, Sie zu weiteren Überstunden zu überreden, indem man Ihnen beispielsweise Ihre besondere Expertise vor Augen hält. In einer Beziehung, um lästige Dinge auf Sie abzuwälzen, die niemand sonst so gut wie Sie erledigen könne. 

Wer Sie um Ihrer selbst willen mag, liebt oder einfach gerne um sich hat, akzeptiert Sie so, wie Sie sind: Mit Ihren Ecken und Kanten, mit Ihren Schwächen und Stärken – kurzum, Sie als Gesamtpaket – und nicht die Person, die Sie darstellen sollen.

Photo by Mercedes Bosquet on Unsplash
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Meine Frage an Sie:

Wurden Sie als Kind unter Druck gesetzt und häufig mit anderen verglichen? Durften Sie Fehler machen und auch scheitern?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie sind wundervoll.
  • Perfektion und Makellosigkeit sind Illusionen.
  • Sie müssen niemanden übertreffen, um gemocht zu werden.
  • Menschsein bedeutet, Fehler machen zu dürfen.
  • Sie entscheiden, was Ihnen wichtig ist.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

© 2022 Romy Fischer