Die Familie: Ein komplexes System

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Die Familie: Ein komplexes System

Schon der russische Schriftsteller Leo Tolstoi schrieb in seinem berühmten 1877/78 veröffentlichten Roman Anna Karenina:

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“

Diese Aussage stimmt in ihrer Pauschalität nur bedingt, macht aber vor allem eines deutlich: Das Leid (innerhalb) einer Familie hat viele Gesichter.

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FAMILIEN ALS KOMPLEXE SYSTEME

Familien sind komplexe Systeme, die vor allem danach bestrebt sind, sich selbst zu erhalten. Damit dieses System aufrechterhalten werden kann, werden den einzelnen Familienmitgliedern bestimmte Rollen zugewiesen.

Das geschieht jedoch in der Regel nicht in einer bewussten demokratischen Auseinandersetzung, sondern auf einer unbewussten Ebene. Diese wiederum kann oftmals nur von außen erkannt werden: Mit genügend räumlicher und emotionaler Distanz. Welche Rollen das im Einzelnen sind, hängt dabei zunächst einmal von den Bezugspersonen ab.

Meist sind das die Eltern, die ihrerseits wiederum bestimmte Rollen erfüllen. Diese Rollen sind oft stereotyp und dichotom unterteilt: Zum Beispiel in „typisch männlich“ und „typisch weiblich“, der Mann als „Ernährer“, die Frau als „Kümmererin“. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Ehen sind aufgrund von eigenen Sozialisationserfahrungen vor diesen Stereotypen nicht gefeit.

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DAS KIND ALS PROJEKTIONSFLÄCHE

Kommt dann ein Kind ins Spiel, wird das bis dato eingependelte Verhältnis auf den Kopf gestellt.

Noch bevor es das Licht der Welt erblickt, wird eine ganze Reihe von Vorstellungen auf das Kind projiziert. Das können Wünsche und Sehnsüchte sein, aber auch das genaue Gegenteil. Unerwünschte Eigenschaften, Charakterzüge, die die werdenden Eltern an sich oder ihrem Partner massiv ablehnen, körperliche oder psychische Schwächen, die sie in ihrem Nachwuchs ausmerzen wollen.

Ebenso kann es aber auch sein, dass das Kind in eine ungünstige Lebenssituation hineingeboren worden ist, weil die Eltern (zu) jung waren, berufliche Schwierigkeiten hatten oder mit ihrem eigenen Leben schlichtweg überfordert waren. Auch und gerade Partnerschafts- und/oder Ehekonflikte werden dann auf dem Rücken des Kindes ausgetragen. Manche Eltern geben ihrem Kind sogar die Schuld für ihr vermeintlich verfehltes Leben.

Lange, bevor den Kindern klar wird, was da eigentlich geschieht, finden sie sich dann in der Rolle des schwarzen Schafes wieder. Je nach Konstellation muss es wahlweise als Blitzableiter für die Eltern, Sündenbock der Familie oder gescheiterter Hoffnungsträger herhalten. In jedem Fall kann das Kind nur verlieren: Entweder seine Bezugspersonen – oder sich selbst.

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GEFANGEN IN EINER ROLLE

Das Kind kann sich noch so sehr anstrengen, aus dieser Rolle auszubrechen, es wird ihm bzw. ihr nicht gelingen – jedenfalls nicht, ohne dass Familiensystem ins Chaos zu stürzen. Denn das bedeutet für das System den absoluten Super-Gau. Und wie jedes System kämpft auch das Familiensystem erbittert um seinen Erhalt – oftmals mit schwierigen Folgen für alle Beteiligten.

Die daraus resultierenden Folgen sind vielfältig. Sie spielen sich zum einen auf der Beziehungsebene und zum anderen auf der physisch-psychischen Ebene ab. Das sind beispielsweise:

    • Konfliktreiche Beziehungen
    • Symbiose- oder Fluchttendenzen in/aus Beziehungen
    • Gänzliche Vermeidung von Beziehungen
    • Zwanghaftes Ringen um die Anerkennung in der eigenen Familie
    • Reaktanz und/oder Rebellion als Antwort auf Annäherung
    • Völlige körperliche und/oder psychische Erschöpfung
    • Beziehungsabbrüche

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DEN KAMPF BEENDEN

Selbst Menschen, denen es gelingt, diese destruktiven Muster zu erkennen und sich ihrer familiären Rolle bewusst zu werden, haben große Schwierigkeiten damit, sich aus deren Einfluss zu befreien. Erst der gemeinsame empathisch-analytische Blick von außen schafft die nötige Distanz zum Geschehen und zu den Beteiligten des Geschehens.

So lassen sich die bekannten Denk- und Verhaltensmuster ablegen und verinnerlichte Glaubenssätze auflösen, um wechselseitig befriedigende Beziehungen sowie ein zufriedenstellendes und erfüllendes Leben zu führen – im Innen wie im Außen.

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Meine Frage an Sie:

Welche Rolle war Ihnen als Kind vertraut? Welche Verhaltensweisen durften Sie zeigen, welche nicht? Welche Gefühle wurden tabuisiert?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie sind mehr als die Rolle, die Ihnen in der Vergangenheit zugeteilt wurde.
  • Sie entscheiden heute über Ihre Grenzen.
  • Sie sind wertvoll – einfach, weil es Sie gibt.
  • Sie dürfen Ihren eigenen Weg gehen.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer

Schuldgefühle gegenüber den Eltern

Photo by Hanxiao on Unsplash
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Schuldgefühle

Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Nicht ohne Grund stehen Menschen ungerne in jemandes Schuld. Man spricht davon, seine Schulden zu begleichen, möchte keine Schuld auf sich laden oder von bestehender Schuld freigesprochen werden. Mit Schuldgefühlen, die in der Kindheit und Jugend entwickelt wurden, verhält es sich ähnlich. Sie sind hartnäckige Begleiter.

Schuldgefühle gegenüber den eigenen Eltern

Schuldgefühle gegenüber den eigenen Eltern sind oftmals ein Relikt aus der Kindheit. Sie treten häufig als Folge elterlicher Erziehungsmethoden auf, die dem Kind die Verantwortung für das elterliche Wohlergehen und deren körperlich-emotionale Verfassung im Allgemeinen aufbürden.

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass sich aus Elternschaft der Anspruch auf Dankbarkeit und Wohlverhalten von seinen Kindern ableiten lässt. Dahinter steht häufig die Annahme eines vermeintlichen Generationenvertrags: Erwachsene bekommen Kinder, versorgen diese so lange, bis diese es selbst können und irgendwann einmal im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem es sich umgekehrt verhält – die mittlerweile erwachsen gewordenen Kinder versorgen und unterstützen nun ihre alternden Eltern.

Die Vorstellung eines fairen Gebens und Nehmens, die über Generationen hinweg existierte und in den Köpfen vieler Menschen noch heute existiert. Und in der Zeit zwischen Geben und Nehmen werden außerdem jede Menge Schuldgefühle gesät, sowohl bewusst als auch unbewusst.

Schuldgefühle als Nebenprodukt

Dabei ist es eher selten der Fall, dass Eltern sich bewusst dazu entscheiden, ihre Kinder durch den Einsatz von Schuldgefühlen großzuziehen. Vielmehr übernehmen sie teils unreflektiert das Verhalten, das sie bereits kennen: Aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend, aus der Beobachtung anderer – und zum Teil auch aus den Medien, wie etwa Filme oder Serien. Die darin gezeigten Verhaltensweisen werden als akzeptables oder zumindest prinzipiell mögliches Verhalten bewertet.

Das Erzeugen von Schuldgefühlen ist dann ein Nebenprodukt, was zum einen aus der Erwartung resultiert, dass Eltern zunächst einmal in Vorleistung gehen (müssen), bevor sie im Gegenzug dafür etwas zurückerhalten – und zum anderen aus der (unreflektierten) Übernahme ebendieser Verhaltensweisen.

Das Tabu: Kinder schulden ihren Eltern nichts

An dieser Stelle gilt es das Tabu einer Eltern-Kind-Beziehung schlechthin anzusprechen:

      • Kinder schulden ihren Eltern nichts.
      • Sie schulden Ihren Eltern nichts.
      • Ihre Kinder schulden Ihnen nichts.

Eine Eltern-Kind-Beziehung kann reziprok – wechselseitig – sein, aber sie ist es nicht per se. Und diese Reziprozität kann auch nicht eingefordert werden, weder mit Schuldgefühlen noch mit psychischer (oder physischer) Gewalt.

Elternschaft – eine einseitige Verantwortung

Wer sich dazu entscheidet, ein Kind in die Welt zu setzen, muss sich dessen bewusst sein: Das Kind zu bekommen ist eine egoistische – auf das eigene Ego bezogene – Handlung, die eine einseitige Verantwortung nach sich zieht – die Eltern tragen ihren Kindern gegenüber eine Verantwortung, nicht aber umgekehrt.

Keinem Kind stand die Wahl offen, ob es zum einen überhaupt geboren werden wollte und zum anderen in ausgerechnet diese Familie hinein. Diese Entscheidung trafen einzig und allein die Eltern – für sich. Im Nachhinein Dankbarkeit dafür zu erwarten, weil man voraussetzt, dass ein Kind doch schließlich lieber existieren als nicht existieren würde, ist eine Rechtfertigung für den eigenen Egoismus, jedoch kein Argument dafür, dass Kinder mit dem Beginn ihrer Existenz ihren Eltern etwas schulden.

Welche Hoffnungen und Wünsche Eltern daher an ihr Kind auch herantragen mögen, welchen Lebensweg sie für ihr Kind auch vorsehen – mehr als ein Wunsch und/oder Vorschlag kann es nicht sein.

Schuldgefühle in der Gegenwart

Schuldgefühle können auch in der Gegenwart noch sehr präsent sein und in verschiedenen Situationen ausgelöst werden. Das Erleben von Schuld(gefühlen) kann auftreten, wenn Sie Ihren Mitmenschen gegenüber Grenzen setzen wollen, aber deren Reaktion (beispielsweise Unverständnis, Entzug von Zuwendung, Wut und/oder Ablehnung) fürchten.

Es kann auch vorkommen, dass Sie sich schuldig fühlen, wenn Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen (und befriedigen möchten). Schuldgefühle können in Konfliktsituationen generell auftreten, in denen Sie nur allzu schnell bereit sind, die Schuld auf sich zu nehmen, Ihr Gegenüber zu beschwichtigen und die Harmonie wiederherzustellen, auf Kosten Ihrer eigenen psychischen und physischen Gesundheit.

Von Schuldgefühle Geplagte finden sich als Reaktion darauf oft in zwei Extremen wieder:

Die „Helfer:innen-Rolle“, die vorauseilend um die Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitmenschen bemüht ist, noch bevor diese sie selbst überhaupt wahrnehmen und/oder äußern. Das Ziel ist hierbei, das Aufkommen von Schuldgefühlen, Disharmonie, Ablehnung oder Streit gänzlich zu vermeiden.

Die Rolle des/der „Widerständler:in“, in der jegliche Verantwortung abgelehnt und/oder andere potenzielle Schuldige gesucht werden, während eigene Anteile ausgeblendet sind. Das Credo könnte lauten: Ich schulde niemandem etwas und niemand schuldet mir etwas.

Wozu sollten wir dann überhaupt noch Kinder bekommen, wenn einem nicht einmal der Dank dafür gewiss ist?

Kinder sind uns anvertraut worden, damit wir sie bei ihrer Entwicklung unterstützen, fördern und begleiten. Jedes einzelne Kind ist ein Individuum, auch wenn es durch uns in die Welt kommt. Daraus lässt sich aber keineswegs der Anspruch ableiten, sie wären uns irgendetwas schuldig. Ihre Dankbarkeit und Zuwendung sind ein Geschenk, keine zu erbringende Schuld.

Wie Johann Wolfgang von Goethe es ausgedrückt haben soll:

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

beziehungsweise

„Wenn Kinder klein sind,
gib ihnen Wurzeln,
wenn sie groß sind,
verleih ihnen Flügel.“

Schuldgefühle auflösen: Ein begleiteter Prozess

Wenn Sie noch heute unter wiederkehrenden Schuldgefühlen leiden, ist es an der Zeit, diese kritisch zu hinterfragen – am besten mit jemandem an Ihrer Seite, der oder die Sie bei diesem Prozess des Auflösens unterstützt.

Meine Frage an Sie: In welchen Situationen tendieren Sie dazu, sich schuldig zu fühlen? Würden andere sich an Ihrer Stelle ebenfalls schuldig fühlen?

 

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© 2022 Romy Fischer

Vergleiche und Widersprüche in der Erziehung

Photo by Denys Nevozhai on Unsplash
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Vergleiche finden überall statt

Wann immer Menschen miteinander interagieren, stellen sie früher oder später Vergleiche an. Zuweilen eher subtil und nonverbal, aber häufig auch sehr explizit, wenn man etwa Konkurrenzsituationen wie Wettbewerbe, Turniere, Meisterschaften oder Hierarchien im Allgemeinen betrachtet. Es gibt Gewinner:innen, die auf dem oberen Treppchen stehen – und es gibt stets auch Verlierer:innen, die (nur noch) den Trostpreis erhalten.

Vergleiche im Kleinkindalter

Bereits Kleinkinder vergleichen sich miteinander. Wer ist größer, wer stärker oder schneller, wer kann weiter springen oder schneller rennen? Wer ist der oder die Beste bei einer bestimmten Aktivität?

Niemand sehnt sich danach, auf dem letzten Platz zu landen. Wer einmal in seinem Leben Letzte:r war, dem- oder derjenigen ist dieses unangenehme Gefühl nur allzu vertraut. Eine Wiederholung dieser Erfahrung ist keinesfalls wünschenswert.

Das Kind im Fokus

Auch und gerade die Familie ist ein Ort der Vergleiche, insbesondere dann, wenn Geschwister ins Spiel kommen.

Im heutigen Beitrag beschränke ich mich auf die Ein-Kind-Familie, bei dem der elterliche Blick sich konzentriert auf ein einziges Kind richtet. Je nachdem, welche Wünsche die Eltern an ihr Kind herantragen und welche Hoffnungen sie in das Kind setzen, werden sie es zwangsläufig mit den Kindern ihrer Freunde, Nachbarn und/oder Kollegen vergleichen.

Paradoxe Vergleiche

Dabei laufen diese Vergleiche oft paradox und ambivalent zugleich ab: Nach außen hin und gegenüber anderen wird das eigene Kind oft als besser, stärker, klüger, höflicher und/oder hilfsbereiter beschrieben und dargestellt, als es tatsächlich ist – oft auch in Gegenwart des Kindes.

Zuhause wird dem Kind jedoch häufig das genaue Gegenteil kommuniziert: Warum es nicht so brav sei wie M., so fleißig wie L., so höflich wie F. und/oder so klug wie Z; kurzum, nicht so, wie das Kind eben ist.

Wohlwollende Vergleiche bleiben in (über)kritischen und/oder -ambitionierten Elternhäusern oftmals aus, weil der Fokus auf den Mängeln, Makeln und Schwächen des Kindes liegt, die es auszumerzen gilt – zum vermeintlich Besten des Kindes.

Was ist mit dem Kind?

Was geschieht nun mit dem Kind, das diese widersprüchlichen verbalen und nonverbalen Äußerungen aufnimmt – es also auf der einen Seite von den Eltern über den grünen Klee gelobt wird, während es wenige Zeit später dem kritischen (und negativ ausfallenden) Vergleich mit anderen ausgesetzt wird?

Es kann sich im Grunde genommen nur „falsch“ verhalten, denn es ist nicht in der Lage, die Widersprüchlichkeit der beiden Äußerungen aufzulösen. Insbesondere dann nicht, wenn sie sich diametral entgegenstehen.

Der beste Vergleich: Der Vergleich mit sich selbst zu einem früheren Zeitpunkt

Wenn Sie als Elternteil Ihrem Kind eine Rückmeldung über seine Leistung geben möchten, beschränken Sie sich auf folgenden Vergleich:

Vergleichen Sie die jetzige Leistung Ihres Kindes mit seiner Leistung zu einem früheren Zeitpunkt. Was hat es seitdem gelernt, worin hat es sich gesteigert? Was klappt besser als früher? Wo benötigt es noch Unterstützung? Wie könnte diese Unterstützung aussehen? Beziehen Sie Ihr Kind in diese Überlegungen (altersgerecht) ein.

Wenn Sie selbst betroffen waren und unter den widersprüchlichen Botschaften Ihrer Bezugspersonen gelitten haben, fügen Sie ein kleines, aber sehr machtvolles Wort in Ihren Gedankengang ein: Das Wort „und“.

        • „Ich kann klug sein UND ich kann nicht alles wissen.“
        • „Ich kann stark sein UND ich kann auch schwach sein.“
        • „Ich habe Angst UND ich kann es trotzdem angehen.“

Und vergessen Sie eines nicht: So, wie Sie sind, sind Sie völlig einzigartig. Ein Unikat. Damit bleibt Ihnen im Grunde genommen nur noch ein Vergleich:

Der Vergleich mit einer früheren Version Ihrer selbst.

Meine Frage an Sie: Welche widersprüchlichen Botschaften richteten Ihre Eltern an Sie? Wie sind Sie damit umgegangen?

 

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© 2022 Romy Fischer

Was ist eigentlich Familie?

Photo by James Garcia on Unsplash
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WAS IST EIGENTLICH FAMILIE?

Wenn wir von Familie sprechen, meinen wir in der Regel unsere engsten Familienmitglieder: Väter, Mütter, Geschwister. Womöglich auch noch die Großeltern. Doch spiegeln diese Bezeichnungen wider, was hinter dem Begriff Familie steckt? Und was ist, wenn man sich in der eigenen Familie wie eine Fremde oder ein Fremder fühlt? Was also ist Familie eigentlich?

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash
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BEI DER GEBURT VERTAUSCHT

Vielleicht haben Sie sich in Ihrer Kindheit häufiger bei dem Gedanken ertappt, bei der Geburt vertauscht worden zu sein.

Womöglich hatten Sie auch die Fantasie, Ihre Eltern seien gar nicht Ihre richtigen Eltern, sondern nur Ihre Adoptiveltern, während Ihre richtigen Eltern irgendwo da draußen leben würden. Und eines fernen Tages würden diese Sie aufsuchen, damit Sie alle zusammen wieder eine glückliche Familie wären. Denn auch wenn eine äußerliche Ähnlichkeit sich nicht leugnen lässt, können Sie das Gefühl nicht abschütteln, dass Sie irgendwie einfach nicht dazugehören. Je älter Sie werden, desto stärker drängt sich dieses Gefühl Ihnen auf.

Photo by Bastien Jaillot on Unsplash
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FAMILIE – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Familie – oder auch Kernfamilie: Meist handelt es sich dabei um die eigenen Eltern. Wenn ein Kind geboren wird, wird es oft in eine bestehende Paarbeziehung hineingeboren. Dementsprechend ist die erste Beziehungserfahrung, die ein Kind sammelt, die Beziehung zu seinen engsten Bezugspersonen. Diese prägt nachhaltig alle weiteren Beziehungserfahrungen: Von der Bindung, dem Selbstbild, der Interessen und der Berufswahl bis hin zur späteren Auswahl des Lebenspartners bzw. der -partnerin.

Sobald allerdings eine weitere Person in Form eines Säuglings die Familienbühne betritt, verändern sich auch die Rollen der bereits vorhandenen Familienmitglieder: Aus zwei Partnerinnen bzw. Partnern werden Eltern, die ihrerseits bestimmte Vorstellungen von Elternschaft in sich tragen, über die sie sich selbst nicht unbedingt im Klaren sind.

Hinzu kommen gesellschaftliche Erwartungen an die frischgebackenen Eltern, die einen nicht unerheblichen Stressfaktor darstellen. Mutter, Vater, ein bzw. zwei Kinder – so soll die klassische Familie aussehen, wenngleich das definitiv nicht die Pluralität der heutigen Familienlandschaft abbildet. Fragen danach, wie eine gute Mutter zu sein hat, wie ein guter Vater, tauchen oft aus dem Nichts auf und verlangen nach einer Antwort. Denn schließlich wollen alle Eltern stets nur das Beste für ihr Kind.

Photo by Luise and Nic on Unsplash
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WAS DIE EIGENE KINDHEIT MIT DER ELTERNSCHAFT ZU TUN HAT

Bei der Erinnerung an eine (überwiegend) positive Kindheit werden bei der Erziehungsarbeit eigener Kinder oftmals weniger Konflikte erlebt – vorausgesetzt die zweite Bezugsperson teilt diese Vorstellung. Ist Letzteres nicht der Fall, können Differenzen über Erziehungsvorstellungen hochexplosiv sein.

Besonders kritisch wird es jedoch dann, wenn die familiäre Rückschau und die Erinnerung an die Erziehung stark negativ besetzt sind. Dann flammen innere Konflikte in Form von ambivalenten Impulsen auf: Der Wunsch danach, es anders – besser – zu machen als die eigenen Eltern auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite die unbewusst ablaufenden Reaktions- und Denkmuster, die von der elterlichen Erziehungserfahrung geprägt sind.

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WOHIN MIT ALL DEN GEFÜHLEN? 

Früher oder später kommt es dann zu einer emotionalen – vielleicht sogar körperlichen – Überreaktion, wenn die eigenen Nerven blank liegen, weil wochen- oder monatelanger Schlafentzug an den Kräften zehrt und der Spagat zwischen Privatleben, Partnerschaft, Erziehungsauftrag und Beruf nicht länger gelingt.

Nach einem heftigen Gefühlsausbruch gegenüber dem eigenen Kind bahnen sich anschließend Schuld- und Reuegefühle ihren Weg nach oben, denn so reagieren, wie die eigenen Eltern reagierten, wollte man schließlich nicht. Doch es bleibt nicht bei diesem einmaligen Ausrutscher, denn das Muster alleine aufzulösen ist ein schwieriges Unterfangen.

Vielleicht fehlt es sogar an positiven bzw. authentischen Vorbildern, an denen man sich orientieren könnte. Es scheint, als sei man seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert. Und heißt es schließlich nicht, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Selbst, wenn dieser Stamm der eines fremden Baumes zu sein scheint?

Photo by Jose Aragones on Unsplash
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BLONICHT WIE MEINE ELTERN 

Blut ist bekanntlich dicker als Wasser. Und dennoch adoptieren Menschen überall auf der Welt Kinder, mit denen sie genetisch nicht verwandt sind und werden ihnen gute Bezugspersonen, die sie in ihrer Entwicklung begleiten, auffangen und unterstützen.

Das jedoch erfordert eine Menge Mut sowie kontinuierliche Arbeit an sich selbst. Soziale Elternschaft etwa bemisst sich nicht daran, ob die DNS zweier Menschen übereinstimmt, sondern hängt einzig und allein davon ab, ob man dazu bereit ist, „bestimmte Aufgaben bei der Erziehung des Kindes sowie die Verantwortung als Erwartung, diese Aufgaben auch erfolgreich zu erfüllen, zu übernehmen“.*

Es ist durchaus möglich, die Fehler der Eltern nicht zu wiederholen und aus dem Teufelskreis der Familiengeschichte auszubrechen. Aber es genügt nicht, unter dem Leitspruch „bloß nicht wie meine Eltern“ zu erziehen, sondern erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und dem kontinuierlichen (Neu-) Entwurf seiner Erziehungsvorstellung(en). Das bloße Gegenteil der elterlichen Erziehung führt zu neuen Konflikten und eher selten zu einer zufriedenstellenden und entspannteren Familiensituation. Es ist wichtig, adaptiv zu reagieren und flexibel zu bleiben, statt starr und rigide einer bestimmten Vorstellung zu verhaften.

 

Photo by Diana Polekhina on Unsplash
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FAMILIE, DAS IST …  

… der Ort, an dem ein Mensch sich sicher und geborgen fühlen darf. Familie, das sind die Menschen, denen Ihr Wohlergehen wichtig ist und am Herzen liegt, an dem Sie Unterstützung erfahren und aufgefangen werden, wenn das Leben Ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht.

Familie ist vielfältig, bunt und hat viele Gesichter. Aber Familie ist vor allem eines: Familie ist der Ort, an dem Sie immer willkommen sind, und zwar einfach nur deshalb, weil es Sie gibt.

*Quelle: https://www.familienhandbuch.de/

 

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Meine Frage an Sie:

Welche Vorstellung von Familie haben Sie? Entspricht Ihre Familie dieser Vorstellung? Worin tut sie es und worin nicht?

Eine wichtige Erinnerung an Sie

  • Sie dürfen selbst entscheiden, wie Sie leben wollen.
  • Sie sind einzigartig auf diesem Planeten.
  • Sie haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, das Sie nach Ihren Vorstellungen gestalten.
  • Sie sind kein Fehler, kein Unglück und auch kein Irrtum.
  • Sie dürfen sich selbst wertschätzen, respektieren und lieben, denn Ihr Wert bemisst sich nicht an Ihren Leistungen, Ihrem Aussehen und/oder den Zuschreibungen anderer.

Wenn Sie bei diesem Prozess eine empathische Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei mir.

 

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© 2022 Romy Fischer